Focus Online v. 21. September 2001

I N T E R N E T

Kollektiv gegen das Vergessen
I m Modellprojekt „Kollektives Gedächtnis“ engagieren sich Jugendliche und ältere Menschen für ein gemeinsames Internetprojekt. Johanna Stachow hat ihre Scheu vor dem Internet verloren. Die Rentnerin aus Hamburg-Bergedorf, Teilnehmerin des Modellprojekts, geht seit zwei Jahren regelmäßig online.

Jugendliche und ältere Menschen arbeiten darin gemeinsam an persönlich erlebten Geschichten aus der Nazizeit, die anschließend für das Internet bearbeitet und darin veröffentlicht werden. Jung und alt sollen so voneinander lernen – und zusammen an ihren Web-Kenntnissen feilen. Mit dem Projekt stellt sich die Hansestadt derzeit auf dem Kongress „Internet für alle – Chancengleichheit im Netz“ in Berlin vor.

„Die Begegnung zwischen Schülern und uns Älteren ist für beide Seiten sehr spannend. Die Jugendlichen erfahren Geschichte ganz persönlich erlebt und wir lernen gemeinsam, wie man das Internet nutzt.“ Johanna Stachow ist vom Sinn des Projekts überzeugt, denn gerade die Senioren könnten so auf sinnvolle Art und Weise mit dem neuen Medium vertraut gemacht werden. Inzwischen ist der Umgang mit dem Internet für die Bergedorferin eine Selbstverständlichkeit.

Geschichtslehrer Manfred Schulz begleitet die Arbeitsgruppe pädagogisch und bereitet die Schüler der neunten und zehnten Klasse im Unterricht auf die Zeit von 1933 bis 1945 vor. Zusammen mit dem Hamburger Senioren-Begegnungszentrum „Haus im Park“ wurde die AG im Frühjahr 2000 auf die Beine gestellt. Seitdem treffen sich jeweils acht Schüler und Senioren einmal pro Monat in einer Internet-Konferenz, um die aufgeschriebenen Geschichten der Älteren für das Netz zu bearbeiten.

Die Internetseite des Projekts ist unter www.kollektives-gedaechtnis.de abrufbar.

20.09.01, 16:46 Uhr