Kriegsende in Danzig


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Abgeschickt von GerhardJeske am 01 April, 2008 um 00:11:59

2759. Jeske Gerhard Franzosenkoppel 32- 22547 Hamburg - 02-12-07 | 22:09

Die Aussage, dass Danzigs Innenstadt wenig zerstört wurde, ist falsch. Ab dem 26.03. 1945 begann das Trommelfeuer auf Danzig aus 1200 Geschützen, begleitet mit englischen Luftangriffen. Ebenso wurde der Befehl " Verbrannte Erde" durch deutsche Pioniere angewandt. Die schweren deutschen Schiffsgeschütze und die 8,8 Geschütze aus der Niederung schossen in die Stadt zurück um die Infanterie zu unterstützen. die Feuerwehr verlies die Stadt, weil nichts mehr zu retten war. Viele Berichte bestätigen, dass die historische Innenstadt durch den Feuersturm der Selbstentzündung bis zum 28/29.3.ausgebrannt war. Erst in der Frühe ,gegen sechs Uhr, drangen die sowj. Soldaten in die Häuser am Wallplatz bis zu Trumpfturm ein. Ich befand mich mit meiner Mutter und 2 Brüdern in einem dieser Keller. Zu diesem Zeitpunkt war Danzigs Altstadt voelig ausgebrannt.Weil die deutschen Pioniere die Verpflegungslager in die luft gejagt hatten, sowie die Schokolade-Fabrik an der Ecke Pogenpfuhl, und andere. blieb die restliche Bevölkerung,mit dem Hungertode im Nacken, zurück, dass interessierte die Wehrmachts-Generalität nicht. Sie kapitulierte nicht und damit war der Untergang Danzigs besiegelt.
Im März 1945 wurde der Jahrgang 1928/29 einberufen . Wir wurden in der Jugendherberge auf dem Bischofsberg kaserniert. Dort traf ich einige Kameraden aus dem KLV-Lager wieder. So sah ich, nach einem Geländemarsch, unseren Stubenaeltesten wieder, er stand in einem Schützenloch und war bewaffnet mit einer Panzerfaust, von dort aus sollte er die Jugendherberge gegen russische Panzer, die hinter der Front operierten, verteidigen. Später sind einige Kameraden umgekommen, oder mit einem Schiff untergegangen. Ich ließ mich aus der HJ-Kompanie entlassen, auch die Drohung mich ins KZ – Stutthof zu bringen, schuechterte mich nicht ein. Meine Mutter konnte nichts entscheiden, weil, dass Elternrecht aufgehoben worden war.
Mein Freund Lothar Hagen erwischte es am Umfluterdeich vor der Brücke, die zum Hühnerberg führte. Er starb durch einen Granatsplitter, der ihn in den Hinterkopf traf. Dort wurde er an einem Rotdornbaum begraben. So erlebte ich den Untergang unserer schönen Stadt und den Tod vieler Menschen. Oft, wenn ich in Danzig war, besuchte ich die Stelle seines Grabes, und setzte mich dort hin um Zwiesprache zu halten, warum man die deutschen Offiziere, die Kinder in den Kampf geschickt hatten, nicht als Kindermörder bestrafte. Die sogenannten Hitlerjugendkompanien wurden nicht von HJ-Führern geleitet sondern vom Militär. Das wird immer unterschlagen.
Vielleicht ist noch jemand am Leben . Ich würde mich freuen, über diese Zeit Erinnerungen auszutauschen. Ich grüsse alle Leidensgenossen, aber auch diejenigen, welche es besser angetroffen hatten. Gerhard Jeske geb. 20.08.1929 in der Freien Stadt Danzig
lebt in Hamburg als Fotograf.Franzosenkoppel 32, 22547 Hamburg-lurup





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