Unerwünschte Erinnerungen


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Abgeschickt von Daniel Miesgebauer am 26 August, 2008 um 19:29:20

Dies ist ein engagiertes und sicherlich sinnvolles Projekt, mir als Historiker stellten sich aber die Nackenhaare auf, als ich zufällig auf eine Seite gestoßen bin. Da heißt es:

„Der zweite Weltkrieg sei dem deutschen Volk aufgezwungen worden, stand sinngemäß in einem Zeitzeugenbericht, über dessen Aufnahme in das „Kollektive Gedächtnis“ das Redaktionsteam zu entscheiden hatte.“

Was gibt es da zu entscheiden? Ein Historiker weiß Fakten gegeneinander abzuwägen und ein schlüssiges Gesamtbild zu erstellen. Laien dagegen betreiben die Beschäftigung mit der Geschichte als Geschichtspolitik. Sie erweisen durch ihre selektive Sammlung von Zeitzeugenberichten der Geschichtskunde einen Bärendienst und spielen der Argumentation von Rechtsextremisten in die Arme, unser heutiges Geschichtsbild sei von Zensur und Manipulation geprägt. Ein einzelnes Statement eines Zeitzeugen widerlegt noch lange nicht ein durch umfangreiches Quellenstudium gestütztes Geschichtsbild, die Zensur eines solchen Beitrages diskreditiert aber die Arbeit der Historiker. Durch Selektion der eingesandten Beiträge büßt das ganze Projekt an Honorigkeit ein. Sie bedienen mit dieser Verfahrensweise die eigenen Bedürfnisse nach einem einwandfreien Geschichtsbild, schädigen damit aber den Ruf eines jeden, der sich ehrlich und ernsthaft mit Geschichte beschäftigt. Ich empfehle ihnen, sich von fachlichem Rat begleiten zu lassen. Sonst geht dieses Projekt als Farce in die Geschichte ein.



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