Geschichte in Danzig 1939 - 1943


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Abgeschickt von Gerhard Jeske am 06 Januar, 2009 um 19:36:48

Gerhard Jeske. Franzosenkoppel 32 , 22547 Hamburg,, den 05.01.2009

Polen in den Hitlerjugend in Danzig.

Danzig 1939 . Nach dem der Krieg gegen Polen im September beendet war, und die Deutschen Truppen von der Danziger Bevölkerung stürmisch begrüßt wurden , nachdem Hitler seine Rede gehalten hatte, in der er die Garantie abgab, dass Danzig unzertrennlich über Tausend Jahre lang zum deutschen Reich gehören wird, wurde bestimmt, wer denn von den Danzigern dazu gehören sollte. Dass man in Danzig geboren war, reichte nicht aus die neue Deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Etliche Danziger wurden für Staatenlos erklärt, andere als Polen eingestuft und vertrieben, wieder andere in eine der vier Volksgruppenlisten eingetragen. Und die Juden und andere Minderheiten gehörten sowieso nicht dazu. Wem es nicht gelang auszuwandern, der kam ins KZ oder lebte nicht mehr lange. So geschah es, dass eines Tages, während des Schulunterrichtes die Klassentür geöffnet wurde und vier oder fünf Jugendliche traten ein. Der Konrektor Porschmann sagte sehr sachlich, Dass sind unsere neuen Schüler, benehmt Euch ordentlich. Damit war der Fall, oberflächlich gesehen, für uns abgebucht. Diese Schüler hatten dass polnische Gymnasium am weißen Turm besucht. Weil sie als Deutsche dritten Grades eingestuft worden waren, durften sie in die Volksschule Lastadie zum Unterricht gehen.. In die Hitlerjugend einzutreten war gesetzliche Pflicht, denn sie war Staatsjugend geworden. So kamen etliche Schüler von der polnischen Minderheit in die HJ hinein.
Was ich natürlich nicht wusste, war, dass sie trotzdem im Untergrund an ihrer polnischen Sprache und der katholischen Religion festhielten. Soweit die Vorgeschichte.
Dann kam das Jahr 1943. Die Hiobsnachrichten von der Ostfront ließen nicht auf sich warten. Wer in der Schule beim Dreisatzrechnen aufgepasst hatte, konnte leicht die Gleichungen machen, dass hundert abgeschossene russische Panzer weniger der großen Sowjetarmee schadeten, aber dreißig deutsche zerstörte Panzer der deutschen Armee mehr zu schaffen machten. . Die Marschrichtung hatte sich umgekehrt, sie verlief nun von Ost nach West, und damals fragte ich mich schon, wann die Russen,( so nannten wir immer noch den Sowjet Koloss, die Westgrenzen erreichen würden.
Im Herbst wurden wir zur Kartoffelernte in den Kreis Konitz verschickt. Zuerst arbeiten wir beim deutschen Bauern, der verpflegte uns miserabel. Morgens gab es angeschimmeltes Brot und eine dünne Milchsuppe, auch Blausuppe genannt, Kartoffelsuppe mittags und abends wie am Morgen. Der sparte an uns nicht nur am Essen, sondern auch den Lohn .
Dann wurde ich, mit drei anderen Danziger Bowkes zu einem Klein - Bauer versetzt. Der Hof lag drei km. vor Kamin. Auf ihm lebte eine schöne Tochter sie war ungefähr 15 Jahre alt, und wie es sich bald heraus stellte ein Sohn, der sich von der deutschen Infanterie beurlaubt hatte, aber der hauste irgendwo im Wald. Das Gebiet grenzte an die Tucheler Heide und war ein beliebtes Versteck für Leute ohne festen Wohnsitz geworden. Eines Tages erschien er in voller Uniform mit Karabiner bewaffnet, erschoss im Stall ein Schwein und verließ den Hof mit dem nötigen Fleisch für die nächsten Wochen. Dann arbeitete Josef dort. Ein polnischer Bursche von 16 Jahren, dessen Eltern, auf der Flucht nach Südpolen durch einen Tiefliegerangriff, ums Leben kamen. Also Josef kam abends zu uns ins Zimmer, mischte die Karten und wir spielten 17 und 4, was allerdings verboten war. Wir hatten die Arbeitsklamotten aus und die schwarze Winter - Uniform der HJ angezogen. Im Eifer des Spieles sprachen die Kameraden polnisch, so dass ich mit dem Spiel nicht schnell genug mithalten konnte. „na macht nichts „ meinte einer“ Du petzt doch nicht? „ Darauf gab ich mein Ehrenwort, Nun verstand ich auch, warum der Bauer unseretwegen eine kleine Ziege schlachten ließ. Deshalb war der Eintopf jeden Tag besonders nahrhaft. So erfuhr ich zum ersten Mal, dass auch polnische Jungens die von ihnen verdammte Hitlerjugend-Uniform anziehen mussten. Später, im KLV Lager Adolfdorf im Kreis Wirsitz, war auch mein Freund von der polnischen Minderheit dabei. Der besuchte dort, mit drei oder vier Jungens, in der HJ Uniform, den polnischen Schuster. Den hatten die Nazis nicht deportiert, denn auch den angesiedelten Bauern aus Bessarabien mussten die Schuhe besohlt werden. Hans Olschewski nahm mich eines Abends mit, um mich der Familie vorzuführen. Er wollte ihnen zeigen, dass so ein kleiner, aber zäher Danziger Bowke dem Lagerleiter und dem Gefolgschaftsführer politisch widerstand und sie ab und zu in eine unangenehme Lage brachte. Aber das ist eine andere Geschichte und müsste viel weiter ausgeführt werde,. Und so meinte ein deutscher Klassiker. „ Ein Volk wird ausgelöscht, wenn man es seiner Sprache beraubt. „ aber dem hatten ja diese Danziger Bowkes von der polnischen Minderheit erfolgreich widerstanden.




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