Ideologie und Religion


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Abgeschickt von Gerhard Jeske am 26 April, 2009 um 12:53:06

Religionslehrerin
in der Schule Danzig Schleusengasse
Ich bin in der Freien Stadt Danzig zur Volksschule gegangen. Wir gehörten bis 1939 nicht zum Deutschen Reich. Um den wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch zu verhindern, wurde Danzig von Berlin aus finanziell unterstützt und regiert, das betraf auch die Schulpolitik. Wir erhielten 1937 eine Schulspeisung, morgens ein ganzes Brötchen, inwendig mit guter Butter beschmiert und dazu einen Becher voll mit heißer Milch. Einmal fehlte 1 Brötchen. Da ich der Letzte in der Reihe war, sagte der Hausmeister. „Nun, kleiner Bowke, für dich ist nuscht nichts da." Ich antwortete ruhig: „Das macht mir nuscht aus, wir haben zu Hause genug zu essen."
Die Religionslehrerin, Fräulein St. führte die Aufsicht, sie hörte meine Entgegnung und bölkte los „Das ist doch die Höhe, du verachtest die Gabe unseres Führers? Mitkommen!" Ich stieg die Treppen hoch zum Rektorzimmer, sie hinterher. Nachdem ich ihr die Tür öffnen musste, trat sie ein. Drinnen redete sie lauthals auf den Rektor los, dass ich abfällig über das Brötchen, der guten Gabe des Führers, gelästert hatte (diese falsche Christin log auch noch). Der Rektor, in SA-Uniform, ging zum Stockschrank, dort suchte er den richtigen Rohrstock für meinen Fall aus. Dann musste ich mich bücken und er schlug mir zwei heftige Hiebe über die Arschbacken.
So reimte ich mir später die Preußische Ethik zusammen:
„Wer Gott und den Führer nicht liebt, der erhält einen Hieb." Für die Trinität „Gott, Führer und Vaterland" verloren viele Erwachsene ihre Moral und ihren Verstand.
Gerhard Jeske. Hamburg





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