Bericht eines Arbeiters aus dem Jahre 1906

Dieser Eintrag stammt von Harald Richert, 1921 bis 2009

Vorbemerkung von Harald Richert

Albert Eberhardt wurde am 8. Januar 1881 in Orlishausen Kreis Weimar geboren. 1895 Beginn einer Schmiedelehre in Sömmerda/Thüringen, Gesellenprüfung. Danach als Schmiedegeselle in verschiedenen Orten Thüringens tätig – 1900 Wanderschaft durch den Thüringer Wald. 1900 bis 1902 Soldat und schließlich Fahnenschmied in Naumburg/Saale. Anschließend wieder beim Gesellenwandern bis ins Sauerland. Weiter als Schmied und Schlosser unterwegs, u. a. 1905 bis 1906 in Berlin. Danach Montagearbeiten.

Von Oktober bis Dezember 1906 erstmals in Lohbrügge mit Arbeiten am Wasserwerk, Wasserturm und im Eisenwerk. Im März und April 1907 wieder auf Montage in Lohbrügge, wo er 1910 die Bergedorferin Ida Magdalena Stahmer heiratete. 1914 bis 1918 Kriegsdienst, ab 1918 als Rohrmeister und schließlich Beamter der Stadt Schleswig, wo er 1946 in den Ruhestand trat, aber weiter dort blieb. 1954 bricht die letzte Erwähnung über ihn ab.

Wir erhielten seine "Erinnerungen" aus einem Nachlass:


Kopie des Manuskripts
Kopie des Manuskripts

Allgemeines aus meinem Leben, Abstammung und Elternhaus

Meine Wiege stand in dem Herzen von Deutschland, in dem schönen Thüringerland. Geboren bin ich am 8. Januar 1881 in dem Bauerndorf Orlishausen, zu dem damaligen Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörig, hart an der Grenze der Provinz Sachsen, zwischen den preußischen Städten Sömmerda und Kölleda gelegen. Meine Eltern waren bescheidene, rechtschaffene, fleißige, vorwärtsstrebende Leute. Der Vater war Zimmermann und arbeitete meist selbständig im Dorf oder der näheren Umgebung. Schon in meiner Jugend wandte er sich dem Brunnenbaugewerbe zu und fertigte Holzpumpen an, die, da es damals in den Dörfern keine Wasserleitung gab, zur Hausversorgung unentbehrlich waren. Er bezog Kiefernstämme aus dem Thüringerwald, die er mit eigens von ihm entworfenen Bohrgeräten auf große Längen durchbohrte. Als Spezialist wurde er bis in sein hohes Alter in seinem Beruf geachtet und war weit in der Umgegend des Dorfes ein gesuchter Pumpenmacher. Auch Erdbohrungen führte er bis zu kleineren ...

Kopie des Manuskripts
Kopie des Manuskripts

... Im Herbst (1906) kam ich nach Sande bei Bergedorf (jetzt Lohbrügge), wo bereits 2 Kollegen beschäftigt waren, und baute mit am neuen Wasserwerk. Die Brunnenleitungen zum Maschinenhaus, sowie die direkt nach dem Ort führende Leitung durch das Gehölz wurden von mir verlegt. Einige Straßen im Ort wurden ebenfalls von mir mit den Hauptrohren versehen. Hier lernte ich auch Saugsand kennen und die Schwierigkeit, darin zu arbeiten. Weiter legte ich die Hauptleitung auf dem Bergedorfer Eisenwerk. Hier hatte ich ein nicht angenehmes Vorkommnis. Als die Leitung fertig verlegt und auf Druck gesetzt wurde, war eine kleinere Undichtigkeit vorhanden, aber wo konnte die sein in der

Kopie des Manuskripts
Kopie des Manuskripts

cirka 800 m langen, in der Erde liegenden Leitung? Ich wusste, dass alle Verbindungen, die von mir gemacht waren, unbedingt dicht waren. Vom Büro, welches durch den Sohn des Chefs besetzt war, wurde ich gedrängt, dass die Arbeit von dem Betriebsingenieur abgenommen würde, damit die Firma Geld ausbezahlt bekam. Was blieb übrig; mit Wissen meiner Firma musste ich schwindeln. Der Betriebsingenieur Burmester hatte es aber wohl beobachtet, dass ich nur einen Hydranten anstatt die ganze Leitung unter Druck gesetzt hatte, und entlarvte mich und ließ mich verachtend stehen. Nur nach langem Zureden habe ich das Fabrikgrundstück am nächsten Tage wieder betreten, habe die Leitung in drei Teile geschnitten und getrennt geprüft. ES stellte sich heraus, dass ein Kollege von mir einige Rohrleitungen vor mir verlegt hatte, die durch Erschütterungen und wohl auch schlechte Arbeit undicht waren. Nachdem der Schaden behoben war, war die Leitung nach 2 Tagen abnahmefertig und wurde auch, ohne dass sich der Betriebsingenieur überzeugte, abgenommen ...

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