Der Leidensweg des Norbert Mieck durch die Stationen des Rauhen Hauses in Hamburg 1953 bis 1960

Dieser Text stammt von Frederike Könik

Durchbeißen in geistlicher Ödnis und Ausbildung durch Ausbeutung
Norbert Norbert Mieck wurde am 29.02.1936 in Köslin/Pommern geboren. Durch seine Großmutter und seine Mutter kam er in Kontakt mit dem evangelisch-christlichem Glauben. 1945 musste die Familie vor der anrückenden sowjetischen Armee fliehen und fand auf einem Bauernhof im Kreis Flensburg Unterkunft. Sein Glaube wurde gestärkt, als er 1948 in den Konfirmationsunterricht kam.
 2 Jahre später wurde er konfirmiert. Danach trat er in den CVJM ein und besuchte viele kirchliche Veranstaltungen. Doch seine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter. .Ein Grund dafür war sein schwieriges Elternhaus. Sein gewaltbereiter Vater war Alkoholiker und schlug ihn und seine Geschwister schon bei Kleinigkeiten mit dem Stock. Mit 16 drohte dann ein Sitzenbleiben auf dem Gymnasium. Aus Angst vor der Reaktion seines Vaters sprach er mit seinem Konfirmationspastor Martin Nelle, der ihm eine Ausbildung im Rauhen Haus in Hamburg zum Diakon empfahl. Er bewarb sich und wurde am 02.02.1953 angenommen. Zu Anfang der Ausbildung musste er ein Jahr lang ein Vorpraktikum ableisten. Als Hausbruder wurde er in die Heizkesselversorgung von drei Häusern eingewiesen, die er künftig zu versorgen hatte. Ferner oblag ihm, sich um den Mittagessenstransport des Altenheims kümmern. Und je nach Bedarf war noch Gartenarbeit angesagt, ferner die Männer des Altenheims baden. Nach dem Dienst ging er mit den anderen Brüdern zu einer kleinen Andacht. Viele hatten sich ein frommeres Leben vorgestellt. Seine Enttäuschung war groß, wie auch die vieler seiner Brüder, sodass die Hälfte von ihnen schon nach wenigen Monaten aufgaben. Statt geistlicher Betreuung musste viel Arbeit erledigt werden. Taschengeld gab es anfangs 10 RM pro Monat, später dann 20 und 30 DM. Da Norbert Norbert Mieck noch sehr jung war, sollte er noch ein weiteres Vorpraktikum ableisten. Diesmal im städtischen Versorgungsheim Cuxhaven. Vormittags arbeitete er mit dem Heimleiter im Büro, erledigte die Post und führte Statistiken und Karteien. Nachmittags war er in der Schulkinderstation tätig und musste mit ihnen die Hausaufgaben erledigen und draußen spielen. Während der Erntezeit fuhr Norbert Mieck viel Trecker, diese Arbeit bereitete ihm verhältnismäßig viel Spaß, ansonsten wurde er für anstehende Aufgaben im Altenheim eingesetzt. Er freundete sich mit der Praktikantin Gisela Schwarz an, und sie verbrachten einige Abende im Tagesraum.im Gespräch miteinander Darüber informierte der Heimleiter, der angebl. über eine Schwäche Norbert Miecks gegenüber dem weiblichen Geschlecht von der Leitung des Rauhen Hauses informiert war, das Rauhe Haus. und Norbert Mieck musste ohne Rücksprache Cuxhaven verlassen. Und wurde direkt zum Brüderhof abtransportiert. Auch in Cuxhaven hatte keine geistliche Betreuung stattgefunden. Sein drittes Jahr absolvierte er dann auf dem Brüderhof, einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dort war Norbert Mieck in einer Baracke mit 5 anderen jungen Männern, die alle in irgendeiner Form behindert waren, untergebracht. Zum Waschen gab es nur kaltes 1 Wasser und draußen befand sich ein Plumpsklo. Das Essen war sehr karg und meistens gab es Bratkartoffeln mit Buttermilch und selten kam jemand vorbei um aus der Bibel vorzulesen. Im Sommer brach Norbert Mieck dann während der Erntearbeit bewusstlos auf dem Erntewagen zusammen und musste in ein Krankenhaus, wo er sechs Wochen lag., ohne dass ihn irgendjemand aus dem Rauhen Haus oder vom Brüderhof besucht hätte. Es wurde ein nervöses nichtorganisches Herzleiden diagnostiziert, welches wohl an seelischen Konflikten lag, wie der Chefarzt meinte.. Der Chefarzt riet ihm, die Ausbildung abzubrechen. Dennoch setzte Norbert Mieck seine Ausbildung fort, hierfür sollte er allerdings leichtere Arbeiten auf dem Brüderhof verrichten. Doch gegen die ärztliche Anordnung musste Norbert Mieck seine gewöhnlichen Arbeiten fortsetzten, zu diesen zählte unter anderem das Kühemelken. In der Trostlosigkeit seines Daseins kam ihm immer häufiger der Gedanke an einen Austritt aus dem Rauhen Haus. Stattdessen wollte er seine Existenz bei den Soldaten sichern oder Seemann werden. Seine Mutter jedoch hielt ihn durch einen herzerschütternden Brief davon ab. Endlich kam er Im März 1956 ins Rauhe Haus zurück und begann mit der regulären Ausbildung. Doch seine religiösen ‹berzeugungen trugen nicht mehr, und er wollte die vier Jahre hinter sich bringen, um einen Beruf zu erlangen.. Anfangs musste er sich um 12 Jungen der 3. Klasse kümmern und sie wecken, mit ihnen Hausaufgaben machen etc. Zusätzlich besuchte er den Unterricht, zu dem gehörten die üblichen Fächer wie Mathematik und Deutsch, aber auch Literatur, Dogmatik, Diakonie-Geschichte, Recht, sowie das alte und das neue Testament.

Im 2. Ausbildungsjahr war der Unterricht auf den Sozialarbeiter-Abschluss abgestimmt. 1957/58 wurde Norbert Mieck Leiter der Krankenstube. Während einer Grippeepidemie musste er 30-40 Jungen alleine versorgen und konnte so auch nicht am Unterricht teilnehmen. Während der Ausbildung mussten zwei Praktika absolviert werden, die Norbert Mieck in der Sozialabteilung des Ortsamtes HH-Billstedt und in der Jugendhilfsstelle des Jugendamtes absolvierte. Nach den Praktika machte er die Prüfung zum Sozialarbeiter. Im letzten Ausbildungsjahr fand der Unterricht vormittags statt und nachmittags machte Norbert Mieck ein Praktikum in der Kirchengemeinte St. Georg. Nach dem Examen 1960 bekam er eine Stelle als Diakon angeboten. Doch diese lehnte er ab, da für ihn die Religion an Sinn verloren hatte. Daher fing er bei der behördlichen Gefährdetenhilfe an.

2014 trat er dann aus dem Rauhen Haus aus.

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