Dieser Eintrag stammt von Claudia Frobel

  Die 50er Jahre in Hamburg

Die Familien lebten in den 50ern eher für sich. Sie kümmerten sich um ihre Häuser und ihre Gärten, sahen Fern und hörten Radio. Gründe dafür waren die langen Arbeitstage, die auch wegen des Weges zustande kamen, und Nachwirkungen des Krieges (z.B. war der Vater in Gefangenschaft, Kinder waren evakuiert, man war ausgebombt. Diese Dinge lagen nicht weit zurück). Es war nicht leicht und damals gab es nicht viele Anlässe, um aus dem Hause zu gehen. Es gab den Kirchengang am Sonntag, Kinobesuche und bei einigen Leuten gab es noch Sport, doch dies waren nur etwa ¼ der Bevölkerung.
Vereinsport war eher etwas für Männer, nur ca. 1/7 der Vereinsmitglieder waren Frauen. Von 1954 auf 1959 stieg die Anzahl der Mitglieder von 4 auf 4,8 Millionen. Von diesen waren ca. 40% Kinder und Jugendliche.

Waltraud S. wurde am 4.4.1937 in Bergedorf geboren. 
Im April 1952 wurde sie als 15 Jähriges Mädchen aus der Schule entlassen. 
Damals war es sehr schwierig eine Lehrstelle zu bekommen, sogar für Schüler mit Realschulabschluss oder Abiturienten. Wer wollte, bekam jedoch eine Stelle durch die ABM ( Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ). Zum Beispiel in Krankenhäusern oder Wäschereien, Friedhöfen, eben in öffentlichen Betrieben. 
Man arbeitete acht Stunden am Tag, sogar Sonnabends und bekam für diese Arbeiten 16 DM in der Woche.
"Eigentlich war man froh über etwas Taschengeld" so Waltraud. 

Als Jugendlicher hatte man damals wenig Interesse für Politik und bekam daher auch wenig von dem mit, was um einen geschah. Trotzdem weiß Waltraud heute die wichtigsten Ereignisse, die es in den 50er Jahren gab (DDR-Aufstand, Mauerbau…).
Mehr Interesse weckte die Mode bei den Teenies der 50er, wie z.B. ¾ Hosen mit kariertem Aufschlag, Ballerinenschuhe oder der Petticoat. 

Sie war in einer Mädchengruppe, die mit ihren Fahrrädern in Hamburgs Umgebung fuhren. Sie wollten die Gegenden kennen lernen.
Die Mädchen waren froh, wenn sie mal von zu Hause weg kamen, und zelteten deshalb oft.

Damals war das Geld knapp und es konnten sich nur wenige ein Auto kaufen. Urlaub gab es so gut wie nie, Ausflüge ebenso wenig. Daher war es für die Mädchen auch wichtig, etwas in der Gruppe zu unternehmen.

Eine Lehrstelle bekam Waltraud erst 1954, ganze zwei Jahre nachdem sie die Schule beendet hatte. Ihre Lehre machte sie als Arzthelferin bei einem Kinderarzt in Bergedorf.

Waltraud erzählte mir, dass Elvis Presley von 1958 bis 1960 in Deutschland (Bad-Nauheim) stationiert war. Die Jugendlichen flippten aus und fuhren dorthin, um ihn sehen zu können. Waltraud konnte sich das nicht leisten, wäre sonst wahrscheinlich ebenfalls nach Friedberg, in Bad Nauheim, gefahren.

Heute lebt Waltraud nicht mehr in Bergedorf. Sie ist vor etwa sieben Jahren weggezogen.

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