Dieser Eintrag stammt von Kazim Ayanoglu - 
überarbeitet von Harald Richert

Veränderungen in Hamburg-Bergedorf innerhalb von 
nur 25 Jahren (1950 bis 1975)

Ergebnisse aus einem Interview mit Herrn S. (geb. 1938)

Früher sah Bergedorf ganz anders aus als heute. Wo heute Geschäfts- , Wohn- und kleine Hochhäuser stehen, etwa an der Bille, gab es Ende der 40er Jahre noch Wiesen und Waldstücke. Das Bergedorfer Gehölz gehörte zum Staatsforst Bergedorf. 1950 wurde das Billtal-Stadion eingeweiht. Um den Verkehr von der Innenstadt zwischen der Eisenbahnbrücke und dem Mohnhof umzuleiten, baute man von 1948 bis 1958 die "Bergedorfer Straße" als Durchbruchsstraße, wobei zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser abgebrochen werden mussten. Das hatte Bergedorf schon einmal, 1929, erlebt, als die Vierlandenstraße gebaut wurde, nachdem der alte Stadtgraben ("Blickgraben") zugeschüttet worden war. Auch damals wurden viele, auch historische Bauten abgerissen. Ein Großteil des inneren Stadtkerns löste sich auf und machte Neuem Platz.

1949 hatte es einen großen Schub von Straßenumbenennungen gegeben, dem auch alte, historische Straßennamen zum Opfer fielen, wie z.B. die Brauerstraße - benannt nach den Brauereianlagen an der Bille - die nun "Chrysanderstraße" heißt, in Erinnerung an den Musikgelehrten Dr. Friedrich Chrysander, der hier gewohnt hatte. 1954 verlegte man den langansässigen Wochenmarkt vom "Mohnhof" an eben diese Chrysanderstraße. Viele ehedem kleine Geschäftshäuser wurden erweitert; einige, wie die von Penndorf, Hertie (heute: Karstadt) oder Glunz zu großen Kaufhäusern umgestaltet, was wieder zum Abbruch von Nachbarhäusern geführt hatte. In einigen Straßen konzentrierten sich Bankhäuser, in anderen Arztpraxen oder die Büros von Rechtsanwälten und Notaren.

1953 nahm das neu erbaute, moderne Krankenhaus "Bethesda" an der Justus-Brinckmann-Straße seinen Betrieb auf. Ein Jahr später besichtigte sogar ein Kaiser, Haile Selassie von Äthiopien, das Haus. Unweit davon entstand 1955 Bergedorfs zweite evangelische Kirche St. Michael am Gojenbergsweg.

Eine Reihe von Brandanschlägen erschütterten den Ort. 1960 gab es ein Großfeuer im Bergedorfer Eisenwerk, und 1969 brannten kurz nacheinander die Holzhandlung Behr und 1971 die Aula und Turnhalle der Hansaschule. Die Holzhandlung  war der schlimmste Brand den ich (Herrn S.) je gesehen hatte. Der Restbetrieb am Kupferhof wurde abgerissen, um am Curslacker Neuer Deich den "Baumarkt Behr" zu errichten.

Die alten Bergedorfer sahen es nicht gern, dass aus Sicherheitsgründen 1969 das Tor im Wall des Bergedorfer Schlosses abgebrochen wurde - viele Erinnerungen an Kinderspiele (Ritterkämpfe zur Verteidigung der Burg u.a.) verbanden sich mit dem zinnengeschmückten Walltor.

In den Jahren 1970 bis 1973 entstand auf dem Gelände der Holzhandlung Behr das kolossale, architektonische nicht zum Baustil der Altstadt passende CCB (City Center Bergedorf) mit dem PKW-Parkhaus - von den Bergedorfern baulich als Fremdkörper empfunden.1971 wurde aus der relativ schmalen, verkehrsüberlasteten und mitten durch den Ort führenden Hauptstraße zwischen Kirche und Mohnhof die "Fußgängerstraße Sachsentor".

1975 erfolgte eine Grundüberholung des Bergedorfer Schlosses. In unseren Tagen (Juli 2000 - September 2001) wurde die umfassende Sanierung vorgenommen.

So ist in etwas mehr als 50 Jahren hier viel passiert. Manchmal fällt es schwer, sich die Veränderungen bildlich vorzustellen und sich daran zu erinnern, wie so manches vor dieser Zeit noch ausgesehen hat.