Dieser Eintrag stammt von Konstantin Dvornikov aus Hamburg


Freizeit und Alltag in den 50er Jahren

Dieses Interview habe ich im Oktober 2000 mit Frau M.F. geführt. Sie ist 74 Jahre alt und ist seit 1992 Witwe.  Zur Zeit ist sie Rentnerin und wohnt in einer kleinen Wohnung in Hamburg. Die Frau war sehr nett und hat mir gerne auf alle meine Fragen geantwortet.

1. Frage: Wo haben Sie in den 50-er Jahren gewohnt?
Wir, ich, mein Mann und unsere zwei Kinder, haben in einer kleinen Wohnung in der Stadt gewohnt. Es war ein vierstöckiges Hochhaus und unsere Wohnung war im dritten Stock. Es gab natürlich keinen Aufzug und wir mussten immer zu Fuß laufen, aber früher war ich noch jung und deswegen war das auch nicht so schwer. Unsere Wohnung hatte drei Zimmer und wir hatten nicht so viele Möbel wie jetzt, da wir uns damals nicht alles leisten konnten.
 
2. Frage: Haben Sie und Ihr Mann beide gearbeitet?
Ja, wir haben beide gearbeitet. Mein Mann hatte eine sehr schwere Arbeit, er ging sehr früh los und kam erst spät abends nach Hause. Viel hat er mir über seine Arbeit nicht erzählt. Ich weiß nur, dass er in einer Fabrik gearbeitet hat, und dass die Arbeit sehr hart gewesen ist, denn er kam immer sehr müde nach Hause.
Meine Arbeit war nicht so hart, wie die meines Mannes.

3. Frage: Wie viel Freizeit hatten Sie damals?
Oh, wir hatten sehr wenig Freizeit, weil wir sehr viel arbeiten mussten und Geld verdienen, um irgendwann mal eine Reise zu machen oder ein neues Möbelstück zu kaufen. Wir hatten am Wochenende immer frei, nur mein Mann musste manchmal Samstags arbeiten. Und einmal im Jahr hatten wir Urlaub, ungefähr ein Monat.

4. Frage: Was haben Sie am Wochenende gemacht?
Am Wochenende habe ich mich mit dem Haushalt beschäftigt. Die Kinder spielten draußen im Hof mit ihren Freunden. Sie waren am Wochenende selten zu Hause. Manchmal sind wir alle zusammen zu meiner Mutter gefahren. Sie lebte auf dem
Lande. Meine Eltern hatten viel Vieh und ein großes Stück Land, auf dem sie vieles anpflanzten. Wir haben ihnen viel geholfen und sie gaben uns immer etwas von der Ernte ab.
Wenn wir nicht zu meinen Eltern gefahren sind, sondern zu Hause blieben, haben wir fast jeden Abend Bücher gelesen oder uns mit unseren Kindern unterhalten.

5. Frage: Hatten Sie damals einen Fernseher oder ein Radio?
Nein, wir hatten keinen Fernseher. Auch ein Radio haben wir uns erst später gekauft und den Fernseher haben wir uns noch ein paar Jahre später angeschafft. Zu der Zeit hatte nicht jeder einen Fernseher und ein Radio wie heute, weil es damals ein Luxus war und viele Leute es sich nicht leisten konnten.

6. Frage: Sie haben ja gesagt, sie hatten einmal im Jahr Urlaub. Was haben Sie da gemacht?
Eigentlich das gleiche wie am Wochenende. Nur zwei mal haben wir etwas Besonderes gemacht. Wir sind mit der ganzen Familie ins Ausland verreist. Einmal nach Italien und einmal nach Österreich. Das erste mal haben wir eine Reise nach Österreich gemacht. Für mich war das ein unbeschreibliches Erlebnis, denn es war das erste Mal, dass ich in ein anderes Land gefahren bin. Wir wohnten in einem Hotel mit Halbpension. Wir waren fast jeden Tag am Strand, wir konnten uns eine neue Stadt angucken und eine neue Kultur kennen lernen. Vor allem in Italien hat es mir am besten gefallen. 

7. Frage: Wie sind Sie dort hinkommen und wie lange waren Sie da?
Das erste mal, nach Österreich, sind wir mit dem Auto gefahren. Das war sehr anstrengend, weil wir uns alle in das kleine Auto quetschen mussten und die Fahrt dauerte mehrere Stunden. Wir blieben dort zwei Wochen und sind dann wieder alle mit dem Auto nach Hause gefahren. 
Das zweite mal, nach Italien, sind wir mit dem Flugzeug geflogen. Das war vor allem für mich sehr schlimm, weil ich Höhenangst und große Angst vor Flugzeugen hatte. Aber meinem Mann und den Kindern hat der Flug ganz gut gefallen. In Italien haben wir, genauso wie in Österreich, zwei Wochen verbracht.