Dieser Beitrag stammt von Nadine Fiedler

Stein auf Stein
Hamburg wird neu aufgebaut

Da mein Opa, Eduard Fiedler, geb. 1929,  in der Nachkriegszeit auf dem Bau tätig war, dachte ich mir, dass es interessant wäre, wenn er mir etwas darüber erzählt. Also fuhr ich los, um ihn zu besuchen.

Als ich ankam, sah ich schon viele Fotos auf dem Tisch liegen. Und sogleich fing er an zu erzählen:

„Die meisten Hamburger Arbeiterviertel wurden durch den Krieg zerstört.  In Rothenburgsort  zum Beispiel stand nur noch ein Haus.

Ich habe hauptsächlich beim Bau von Familienhäusern,  Blocks und Hochhäusern mitgearbeitet! Das Hotel am Berliner Tor  im Hochhausstil  habe ich mit aufgebaut. In Lohbrügge  viele  Häuser von  der Habermannstraße bis zur Leuschnerstraße. Beim Bau der Kirche in Wentorf war ich auch nicht unbeteiligt.

Ich war Steinträger. Wie der Name schon sagt, habe ich Steine von A nach B getragen. Immer,  wo gerade welche gebraucht wurden,  habe ich sie hingebracht! Auch, wenn Steine neu ankamen, musste ich sie vom Laster abladen! Aber ich habe auch Mörtel getragen.“

 

Einen Kran gab es in den 50er Jahren noch nicht!  Erst um 1963 arbeitete mein Opa zum ersten Mal mit einem Kran.

„Opa, erkläre mir mal bitte, wie Ihr die Häuser überhaupt aufgebaut habt.“
„Zuerst wird das Fundament ausgehoben. Wir mussten das in der Regel mit der Hand machen. Darauf kommt dann das Fundament mit Beton und Moniereisen.“

„Stop, was ist Moniereisen?“
„Moniereisen ist ein glatter, unbehandelter Stabstahl, der dient zur Befestigung von Betonstahl.

Danach wird die Sohle geschüttet und nun kommt das Mauern dran. Als ich auf dem Bau war, haben wir meistens mit Bundesformat ( 25 cm Länge, 10 cm Breite, 7 cm Höhe) gemauert. Es gibt auch noch das Hamburger Format (20 cm Länge, 
7 cm Breite, 5 cm Höhe), die sind etwas kleiner, sowie 3DF (25cm Länge, 20 cm Breite, 10 cm Höhe),  und die Verblendsteine haben eine Größe von 20 cm Länge, 10 cm Breite und eine Höhe von 7 cm.

Für die Innenräume werden normalerweise die weißen Steine genommen und für die Außenseite die Roten. Zuerst werden die Innenräume gemauert, der Grundriss, später erst die Außenschicht mit den roten Steinen.

Zu Anfang hatten wir noch runde Balken, aber bald schon Vierkanthölzer. Um das Gerüst höher zu bauen, stellten wir zwei unterschiedlich große Balken, die miteinander befestigt waren, nebeneinander und stellten auf den kleineren Balken einen weiteren Balken. Und befestigten diese wieder.

In der Mauer wurden kleine Löcher gelassen, damit das Gerüst mit der Wand durch Balken befestigt werden konnte. Auf diese Balken wurden nun Bretter zum Gehen gelegt. Ab einer Höhe von 3-4 Metern mussten immer zwei Bretteretagen zum Schutz stehen bleiben, damit man nicht so tief fiel, wenn mal eine Bretterschicht brach. Die Trennwände kamen mit der Decke ganz zum Schluss.“

„Wenn wir einen Häuserblock gebaut haben, wurde nur einmal ein Richtfest gefeiert.“

„Warum? Und wann wurde dieses Fest gefeiert?“
Wir haben die Häuser etappenweise gebaut! War bei dem einen Haus die Sohle fertig, haben wir beim nächsten Haus weiter gebaut. Dann beim Dritten, usw. Wenn das erste Haus fertig war, dann wurde das Richtfest gefeiert! Mehrere Feste würden zuviel Geld kosten.“

 

Mir hat es Spaß gemacht, meinem Opa zuzuhören. Und ich hoffe, euch hat es Spaß gemacht das hier zu lesen.

Hier sind noch ein paar weitere Fotos!