Dieser Eintrag stammt von Sonja Krüger

Die Kindheit in den fünfziger Jahren

Angelika wurde 1954 in Hamburg geboren. Sie ist, wie viele andere Kinder, in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Ihre Großeltern waren für sie wie Eltern, da ihre Mutter arbeiten musste und sich nicht um sie kümmern konnte. Die Mutter war ledig und wohnte bei ihren Eltern (Angelikas Großeltern ), was damals durchaus üblich war, weil nicht genügend Wohnraum vorhanden war.

Das große „Glück“ für die Großeltern war, dass ihre vorherige Wohnung mitten im alten Hamburger Stadtkern zerbombt worden war. So bekamen sie ein sogenanntes „Plattenhaus“ (ein einfacher, nur aus Betonplatten bestehender Flachdachbau, max. 1 ½  Zimmer: Wohnküche, Schlafzimmer; ohne Heizung, ohne Bad, mit etwas Nutzland zum Gemüse/ Obstanbau  und/ oder Viehhaltung) zugewiesen. Es stand im Dünenweg in Lohbrügge.

Als Angelika 3 Jahre alt war, heiratete ihre Mutter und ein Jahr später wurde ihr Bruder geboren. Dann zog die kleine Familie selbst in ein „Plattenhaus“ im Dünenweg.

Angelikas Großeltern hielten sich Kleinvieh, wie z.B. Kaninchen, Hühner usw. Zudem bauten sie Obst und Gemüse an, um ihre Familie ausreichend und gut zu versorgen.

Zusätzliche Versorgung war damals nötig, da das verdiente Geld meist nur spärlich oder gar nicht ausreichte um eine Familie zu ernähren, bzw. es gab manchmal nicht genug zu kaufen.

Obwohl sie bei ihrer Mutter lebte, verbrachte sie die meiste Zeit bei ihren Großeltern. 1961 wurden sie in der damaligen Grundschule Richard- Linde- Weg eingeschult.

Sie ging dort 1 ½ Jahre zur Schule, bis ihre Mutter in eine Wohnung im Weidenbaumsweg zog. Somit musste Angelika die Schule wechseln und kam auf die heutige Grundschule Nettelnburg.

In dieser Zeit geschah ein für Deutschlands Geschichte bedeutendes Ereignis:

Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961
Dazu erzählte Roland K. (geboren 1953 in Bürstadt -  lebt seit 1956 in Hamburg).

Er befand sich zu diesem Zeitpunkt zum Zelten in Südfrankreich, da gerade Sommerferien waren. Dort zelteten auch viele deutschsprachige Menschen unter anderem auch ein Schweizer Ehepaar. Dieses kaufte jeden Tag eine Zeitung (evtl. BILD), die dort jedoch erst 1-2 Tage später ausgeliefert wurde. Auf einmal hieß es: In Berlin wird eine Mauer gebaut!

Es wurden Fotos gezeigt von der Bernauer Straße, wo die Leute aus den Fenstern auf die Straße sprangen um noch rüber zu kommen !

Daraufhin begann eine aufgeregte Diskussion, ob es denn überhaupt möglich sei, zurück nach Deutschland zu kommen oder was man tun könnte, wenn man Verwandte in Berlin hat. Es wurde auch befürchtet, dass ein Krieg ausbrechen könnte.

Roland und seine Familie besaß keine Verwandte oder Bekannte in Berlin, deswegen besitzt er keine Erinnerungen daran, ob seine Eltern in Hamburg noch mit anderen Personen über diesen Vorfall gesprochen haben oder ob es in Hamburg allgemein ein viel diskutiertes Thema war.