Dieser Eintrag stammt von Thorben Winkler

Weltmeisterschaft 1954 und Währungsreform 1948

Adolf Schultz, geboren am 21.02.1941 in Kathariendorf, Kreis Wreschen bei Posen

Ich war früher sehr Fußballbegeistert. Ich habe früher selbst in der Schulmannschaft gespielt, auch wenn ich mir keine Ausrüstung leisten konnte. Es gab früher noch keine Bundesliga, nur die Oberliga. Ich war aber kein Fan von einer Mannschaft, da ich die Spiele nur über Radio hören konnte, da ich mir keine Eintrittskarten leisten konnte, denn ich verdiente mir nur ein bisschen Geld durch Schrottsammlung. 

Der WM - Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft war für mich etwas ganz besonderes. Für mich war es eines der größten Erlebnisse in den 50er Jahren. Nach der Währungsreform waren auch meine Eltern im Stande, sich ein Radio leisten zu können. Somit konnte ich auch das Endspiel Deutschland gegen Ungarn per Rundfunk live verfolgen. Die vorherigen Gruppenspiele habe ich meistens mit meinen Freunden zusammen gehört, da meine Eltern sowieso ein eher geringes Interesse für den Fußball aufbrachten. Aber als dann die Überraschung der gesamten Weltmeisterschaft passierte, nämlich das Deutschland im Finale stand, wollten meine Eltern und auch die ganze Bevölkerung Deutschlands dieses Spektakel live mit verfolgen. Denn niemand hätte je geglaubt, dass die Deutschen es bis ins Finale schaffen. 

Als der große Tag des Endspiels dann gekommen war, saß ich mit meiner Familie vor dem Radio und hörten gespannt dem Kommentator zu. Aber eigentlich glaubte keiner von uns, dass die Deutschen es schaffen werden, denn Ungarn hatte jeden Gegner in der Vorrunde ohne Probleme besiegt und sie gingen auch als klarer Favorit in dieses Endspiel. Und als die Ungarn auch noch mit 2:0 in Führung gingen, hatten wir keine Hoffnung mehr. Dann folgte der Anschlusstreffer und danach schoss Helmut Rahn den Ausgleich. Wir konnten es nicht glauben. Deutschland macht dem großen Favoriten Konkurrenz. Und dann war es soweit, Rahn schießt das 3:2 für Deutschland. 

Deutschland ist Weltmeister! Ich konnte es nicht glauben. Deutschland hat sich nach dem verlorenen Krieg und den schlechten Jahren in der Wirtschaft endlich wieder etwas Ansehen in der ganzen Welt verschafft. Dieser Sieg war für meine Eltern, mich und den Rest Deutschlands so wichtig, da er das persönliche Bewusstsein gestärkt hat und weil es seit langem mal wieder ein großes Ereignis war, wo Deutschland sich mal mit etwas positivem in den Mittelpunkt gestellt hat. Na ja, als ich hörte, dass Deutschland Weltmeister geworden war, rannte ich nach draußen auf den Grander Marktplatz, wo sich alle Bewohner dieses Ortes versammelt hatten, um gemeinsam zu feiern. Bei den Jungendlichen wurde eher verbal gefeiert, denn Alkohol konnten wir uns nicht leisten. Man sprach noch lange über diesen Sieg, denn Deutschland hatte endlich wieder eine Möglichkeit gefunden, sich positiv zu beweisen, da sie nach der WM immer häufiger auf Freundschaftsspiele eingeladen wurden.

Siehe auch Erläuterungen zum Thema "Währungsreform 1948"

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