Dieser Eintrag stammt von Daniel Thomsen

e ich das Kriegsende 1945 in Flensburg erlebt habe! 

Die folgenden Angaben stammen von Susanne Thomsen geb. 1930, die das Ende des 2. Weltkrieges mit ihrer Familie in Wassersleben/Flensburg erlebte.

Wie hast du persönlich das Ende des 2. Weltkrieges, dem Tag der endgültigen Kapitulation des damaligen deutschen Reiches, in deiner Heimat erlebt?
Es war der 08.05.1945 und ich stand in der Schlange beim Schlachter an, um Fleisch gegen meine Lebensmittelkarten einzulösen.
Ich stand ca. 7 Stunden an und ob ich was bekam, bin ich mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal mehr sicher.
Als ich den Schlachter verließ, fuhr ich mit dem Fahrrad nach Hause.
Auf meinem Weg dorthin, fuhren die Engländer in einer Kolonne hinter mir auf der Straße. Ich war viel zu stolz und wenig beeindruckt von dieser Situation, sodass ich nicht einmal vom Rad stieg. Es waren schließlich unsere Feinde, die dort mit bedrohlichem Verhalten auftraten. Dieser Teil der Alliierten beschoss sogar einmal eine Freundin von mir.
Dementsprechend negativ auch die Resonanz einer Flensburgerin, die mein Verhalten kritisierte.

Du fühltest dich also besiegt statt befreit?
Nein, wir waren alle überglücklich, dass der Krieg beendet war und das Leiden der vergangenen Jahre endlich vorüber sein sollte.
Aber auf der anderen Seite, waren dies Feinde, die mit ihren Panzern durch meine Heimat fuhren. Es waren Fremde, von denen ich mich bedroht fühlte.
Außerdem waren wir froh, dass unsere Stadt letztendlich von Bombenangriffen verschont blieb.
Kurz nach dem Tod von Adolf Hitler wurde nämlich Admiral Dönitz zum neuen Reichskanzler ernannt, der seinen Sitz in der Marineschule Mürwik/Flensburg an der Flensburger Förde hatte.
Die Alliierten waren kurz davor das "Dönitz-Regime" zu vernichten. Dönitz jedoch kapitulierte und wurde am 23.5.1945 von den Alliierten verhaftet.

Was bedeutete das Ende des Krieges für dich und deine Familie und wie habt ihr euer Leben nach diesem Krieg gestaltet?
Überall in Deutschland waren Textilien und Esswaren kaum vorhanden und so kam es, dass meine Mutter mir Sachen zum Anziehen selber machen musste. Ich war gerade 15 und aus allen Teilen meiner Kleidung herausgewachsen. Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir einen Rock aus einer alten Fahne schneiderte. Wir hatten auch ein bisschen Glück, dass der Sommer sehr warm war und nicht so viele Anziehsachen benötigt wurden. Der Winter war umso kälter und wir saßen in dicken Wintermänteln eingepackt in unserem Haus. Wir hatten nichts anderes als unsere "Hexe" zum Heizen im Haus.
Des weiteren hatten wir sehr wenig zu essen, denn es gab kaum etwas zu kaufen. Finanzielle Nöte hatten wir nicht, aber es wurde nichts angeboten. Wir bekamen etwas zu Essen im Restaurant, wo es eine Essensausgabe für uns Anwohner gab, bei der wir uns unsere "Rationen" abholen konnten.
Eine meiner Freundinnen bekam "Care-Pakete" aus Amerika in denen beispielsweise Trockenmilch enthalten waren.

Was gab es denn für Möglichkeiten an Esswaren heranzukommen, wenn es kaum etwas zu kaufen gab?
Mein Vater hatte eines Tages die Möglichkeit Kupfer und Messing aus der sogenannten Kupfermühle zu bekommen, da er sich gut mit dem "Müller" verstand. Aus diesen Materialien stellte er nützliche Werkzeuge oder andere sinnvolle Sachen her, die meine Mutter dann in der näheren Umgebung gegen essbares eintauschte. Er stellte Kessel, Eimer und andere Dinge her. Einmal kam sie nur mit ein paar Eiern wieder nach Hause und da sie darüber so enttäuscht war, heulte sie den ganzen Tag. Aber ein anderes Mal bekam sie ein halbes Schwein von einem Bauern und dann gab es ein Festessen. Wir hatten im Gegensatz zu anderen Menschen und Nachbarn einen relativ hohen Lebensstandard. Es gab Leute in Flensburg und Umgebung, die sehr langsam und schrecklich mit der Zeit verhungert sind. Das war eine sehr schlimme Zeit. Der Krieg war zwar vorbei, aber der Kampf ums Überleben ging weiter.

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