Dieser Eintrag stammt von Fabrizio Rojas


Währungsreform 1948

Erlebnisse von Gehrd Fahl, Jahrgang 1928, zur Zeit der Währungsreform:

Am 20 Juni 1948 war die Währungsreform. Schon vorher war das große Gemunkel im Gange und keiner wusste, wann, wie und was, aber dass etwas passieren würde, wusste man. Es war mit politischen Konsequenzen verbunden, was den Osten anging. Wir waren in unserer Klasse, immer noch verbunden durch die Kinderlandverschickung und die gemeinsame Schulzeit, sowie durch die Flakzeit, 5 Schulkameraden. Wir beschlossen, in den Harz zu fahren, um dort unsere letzten Reichsmark zu verprassen. Das war gar nicht so einfach damals, denn es reisten zwar nicht viele Leute, aber andererseits waren viele Hotels auch in Reservelazarette umfunktioniert worden, bzw. die sehr guten Hotels waren durch Engländer besetzt. Es gelang dann einem unserer Schulfreunde, der schon damals beim NDR angestellt war, für uns 5 Männer ein Quartier in Wildemann im Harz zu finden. 

Wir sind dann frohgemut dorthin gefahren und haben 14 Tage im Harz verlebt. Nach unserer Rückkehr dauerte es noch mal 14 Tage bis zur Währungsreform, die über Nacht kam. Bis zu diesem Zeitpunkt musste all das, was der Mensch an außergewöhnlichen Dingen, wie z.B. mehr zu Essen als es auf den Lebensmittelmarken gab oder Schuhe, Tabakwaren etc., auf dem „Schwarzen Markt“ kaufen oder im Tauschhandel nach der Methode „Gibst-du-mir,-geb-ich-dir“ erwerben. Diese Beziehungen, die sich aus der Not heraus ergeben hatten, wurden sehr gepflegt. Einige der Grundvoraussetzungen dafür waren natürlich sehr viel Geld oder Tauschgegenstände. Wer all dies nicht hatte, sah, wie man heute sagen würde, ganz schön alt aus. 

Dies alles war sozusagen über Nacht vorbei. Wie von Geisterhand hatten sich plötzlich die Schaufenster wieder in solche verwandelt, oder mit anderen Worten: Es wurden - je nach Branche - wieder Waren angeboten. Das eigentliche Wunder war aber dies: Wo waren diese Dinge vorher gewesen und wo kamen die Waren – auch Luxusartikel - so schnell und plötzlich her? Wer jetzt Arbeit hatte oder welche bekam, war sehr gut dran. Es wurde zwar nicht viel verdient, aber bei einer sparsamen Haushaltsführung kam man schon über die Runden. 

Am Tag der Einführung der neuen Währung stellten wir uns morgens an, und da wir strömenden Regen in Hamburg hatten, waren Schirme eine unbedingte Utensilie, sonst wäre man durchgeweicht. Ich legte 40 Reichsmark auf den Tisch und bekam 40 Deutsche Mark dafür wieder. So, nun war man reich. Da die Geldausgabe aber auf einem Sonntag war, konnte nicht viel passieren, das ging erst am Montag los. Am Montag also haben wir uns , ob man es glauben will oder nicht, die Äuglein ein wenig gerieben, denn es war nun fast alles wieder da. Es gab zwar noch einige bewirtschaftete Artikel, wie Butter und Zucker. Das lag aber nicht daran, dass es nicht vorhanden war, sondern nur nicht in genügender Anzahl. Aber man konnte Schuhe kaufen und weiß der Kuckuck was, und ich kann mich erinnern, dass ich, nachdem ich meinen ersten Lohn eingestrichen hatte, in „Deutschmark“, in die Mönckebergstraße gegangen bin, um mir ein Paar neue Schuhe zu kaufen und zwar mit durchgehender, achtfacher Ledersohle, für ca. 75-80 Deutsche Mark. Damit hatte ich schon Schulden bei mir selbst gemacht, doch diese Freude hatte ich mir gegönnt. 

So ging es dann nach und nach weiter, dass man die einen oder anderen Klamotten ersetzte, doch man durfte nie vergessen, auf dem Teppich zu bleiben, denn es musste ja auch verdient werden. Außerdem gab es so etwas wie Kredite zu der Zeit nicht direkt, sondern erst viel später. Zur damaligen Zeit war uns das vielleicht noch nicht so bewusst, doch eigentlich bestand die Behebung der wirtschaftlichen Probleme Deutschlands aus drei Schritten: Der erste Schritt, war die Schaffung der Bizone, der zusammengeschlossenen Besatzungszone der amerikanischen und der englischen Zonen. Der zweite Schritt war die Durchführung des Marshallplans und letztendlich der dritte Schritt die Einführung der neuen Währung. Am 24. Juni 1948 nahmen die Sowjets die Währungsreform in den Westzonen zum Anlass einer Blockade aller Land- und Wasserverbindungen nach West-Berlin, wodurch ihr Sektor von den westlichen Besatzungszonen abgeschottet war. Damit wollten sie eine weitere Vereinigung der Westmächte verhindern. Die Antwort der Alliierten Westmächte war die Luftbrücke. Das sind in groben Zügen meine Erkenntnisse aus der Zeit der Währungsreform.

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