Dieser Eintrag stammt von Lasse Roeder

Von der Reichsmark zur D-Mark

Eines Tages fuhr ich mit meiner Freundin nach Hamburg/St. Pauli zum Schwarzmarkt. 
Sie hatte schon zwei kleine Kinder, und da ihr Mann noch in Kriegsgefangenschaft war, war sie gezwungen, durch Schwarzmarktgeschäfte die Kinder zu ernähren. 

Als wir ihr Familiensilber gerade gegen Lebensmittel getauscht hatten, ertönte ein Pfiff und alles verschwand in den Hauseingängen. 
Ich gab ihr die Lebensmittel, mit denen sie sogleich um die Ecke verschwand. Ich hatte nichts mehr in den Händen, und auf eine Frage eines Polizisten entgegnete ich mit der Aussage, ich ginge spazieren. 

Wohl aufgrund meiner Naivität und Jugendlichkeit wurde ich freigelassen und nicht wie andere Händler auf Laster verfrachtet. Keiner wusste wo die Verhafteten gelandet sind. 
Geschäfte, von denen in Geesthacht noch einige standen, verkauften nicht mehr übliche Waren, sondern sie stellten aus Wehrmachtsbeständen umstrukturierte Gebrauchsgegenstände in den Schaufenstern aus. 
Dort wurden zum Beispiel alte Stahlhelme als Kochtöpfe angeboten. 

Viele Menschen wurden für Wiederaufbauten angestellt. 
Auch eine gute Bezahlung war gegeben, nur mit wertlosem Geld. 
Ich arbeitete als Erzieherin bei der Jugendbehörde und machte mit meiner Freundin seit Jahren zum ersten Mal Urlaub auf Sylt. 
Am Sonntagmorgen hieß es in unserer Pension, jeder Deutsche bekäme 40 DM Kopfgeld. 

Mein Mann arbeitete damals als Hilfsarbeiter auf dem Bau. Der Polier hatte ihm und seinem Kollegen noch doppelten Lohn für Überstunden am Freitag und Samstag versprochen – damit konnte er jetzt nichts mehr anfangen. 
Das war sehr schmerzlich für meinen Mann, da er das Geld für das Studium benötigte.

Im Gegensatz zu ihm gönnte ich mir für die 40 DM das erste Mal in meinem Leben Hummer. 
Über Nacht war vieles wieder in den Geschäften zu haben. Also muss es irgendwo in Kellern gehortet worden sein.