Dieser Eintrag stammt von Vitali Littig

Der Anfang und das Ende der Kriegszeit

Eine Geschichte über den Anfang und das Ende der Kriegszeit von Herrn Schneider *1927

Der Anfang der Kriegszeit:
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie der Krieg immer näher gekommen ist. Ich hab es meinem Vater angesehen, dass sich wohl bald etwas verändern wird. Er wollte gar nicht mehr die Post reinholen, weil er wohl befürchtet hat, dass er jeden Tag einen Brief bekommen könnte mit dem er zum Wehrdienst eingezogen wird. Ich hab es früher nicht nachvollziehen können, weil ich mit Krieg Helden in Verbindung gebracht habe und dachte, mein Vater wäre wohl doch nicht ganz so mutig wie ich ihn immer kannte.

Ende August war es dann aber so weit, mein Vater bekam einen Gestellungsbrief. Meine Mutter hat angefangen zu weinen, als mein Vater ihr davon erzählt hat. Ich wusste damals noch nicht wieso, da ich früher andere Vorstellungen vom Krieg hatte als heute. Ich dachte damals sie weint, weil sie ihn für längere Zeit nicht mehr sehen kann. Für mich, als 12-jährigen Jungen, war es auch eine total neue Erfahrung, die auch hart war: Ich hatte meinen Vater noch nie länger als einige Tage nicht gesehen, und nun wusste ich nicht, wann ich ihn genau wiedersehen würde. Aber ich war stolz auf ihn, dass er für uns in den Krieg gezogen ist. Aus meiner Sicht ist er für meine Mutter, mich und den Rest des Landes in den Krieg gezogen. Er war eine Art Held für mich, weil er doch gegangen war, obwohl er Angst hatte. Heute weiß ich, es war nicht freiwillig, doch damals wusste ich es nicht besser. Es war schon gleich nach der ersten Zeit hart, ohne einen Vater zu leben.

Einige meiner älteren Freunde habe ich dann für eine Zeit nicht mehr in der Schule gesehen. Erst dachte ich mir nicht wirklich was dabei, doch dann kamen sie zwischendurch mal wieder und dann waren sie wieder fort. Einen von denen habe ich gefragt, was denn los sei und warum sie so selten anwesend sind. Er erzählte mir dann folgendes:
"Wir sind nun Flakhelfer geworden, damit die Soldaten an die Front können." Erst habe ich sie beneidet und wollte auch einer sein. Dies ging aber nur bis zu dem Zeitpunkt bis der Krieg losbrach und sie Tag und Nacht beim Einsatz waren. 

Spätestens jetzt hatte man gemerkt, dass es ganz anders war als man es sich vorstellt, im Krieg zu sein. Durch den Einsatz der jungen Flakhelfer wurden unschuldige Kinder in Gefahr gebracht, da diese an den Flaks ein Ziel der Feinde waren. 

Früher habe ich zu all denen, die in den Krieg gezogen sind, ob Front oder an den Stellungen, aufgesehen, doch heute denke ich ganz anders darüber.

Das Ende der Kriegszeit:
Als der Krieg dann endlich sein Ende fand, war ich überglücklich und habe mich darauf gefreut, wieder meinen Vater sehen zu können. Wie lange habe ich mich danach gesehnt, zu einem Mann zu gehen und ihn Vater zu nennen. 

Als die Soldaten dann wieder in die Stadt kamen, habe ich begriffen, was das Wort Krieg wirklich bedeutet. Es steht nicht für Helden, Mut und ähnliches. Dieses Wort steht für Blut, Tod, Grausamkeit und Mord. Die Soldaten waren teilweise zerstümmelt, hatten Augenklappen, amputierte Beine oder Arme oder waren sogar tot, und wofür das alles? 

Auch mein Vater ist an der Front gestorben!

Was hätte ich bloß alles dafür gegeben. meinen Vater wiederzusehen nach so einer langen Zeit? Doch kaum einer hat seinen Vater wieder in die Arme schließen können. 

Hier wurden uns Kinder, die wir nun keine mehr waren, endlich die Augen geöffnet. was es heißt. einen Krieg zu führen und in einen Krieg zu ziehen.