Dieser Eintrag stammt von Jennifer Meyer (*1991)

Ergebnisse eines Interviews mit Stefan Tiedchen (*1934)

Leben in der Nachkriegszeit
,,Was ich habe, gebe ich auch nicht wieder her"!

...So dachten viele Menschen in der Nachkriegszeit, da es einen großen Mangel an
Lebensmitteln gab. Deswegen gingen viele Menschen auf den Schwarzmarkt, doch ,,mit klopfendem Herzen". Außerdem gab es noch das so genannte "Hamstern" d. h., dass Menschen z. B. Silber gegen Essen tauschten.

Gab es Tage, an denen Sie nichts zu Essen hatten?
Nein, da mein Vater Ingenieur war und so oft Zeit am Hafen verbrachte, nahm er uns hin und wieder was mit, z. B. Äpfel.
Wir hatten zwar so genannte Lebensmittelkarten, womit wir uns pro Tag 1200 kal und
schwere Arbeiter sogar 1500 kal auf dem Markt holen konnte. An der Karte wurde dann das Stück Lebensmittel rausgeschnitten, welches man sich geholt hatte. Doch dies reichte bei weitem nicht aus.
Das führte nun dazu, dass immer mehr Menschen auf den Schwarzmarkt gingen um da die fehlenden Lebensmittel zu holen. Dabei hatte man jedoch immer ein Gefühl von Angst verspürt, da auf dem Schwarzmarkt oft Razzien waren, um die Schwarzhändler mitzunehmen.

Eine weitere Form, um die Lebensmittelversorgung  zu verbessern, war das Hamstern.
Dabei tauschten Verwandte, Freunde oder Bekannte ihre Wertsachen, wie z. B. Silber, gegen Essen.
Oder man ist in der Nacht in den so genannten Nachtwanderungsbewegungen auf die Äcker und Felder gegangen und hat die verbleibenden Kartoffeln nachgesammelt.

Wie sah ihr Essen für die Schule aus?
Zur Schule bekamen wir meistens einen halben Apfel und Brot. Öfters auch mal Brom- und Blaubeeren, die wir im Wald gesammelt haben.
Von der Schule wurde uns aber auch noch Suppe gegeben, da sie Angst vor Seuchen hatten.
Das benötigte Besteck dafür mussten wir aber selber mitbringen. Das Butterbrotpapier für die Brote wurde über Wochen benutzt, da man es sich nicht leisten konnte, es gleich wieder wegzuschmeißen.

Gab es auch Kleidungsmangel?
Ja, den gab es! Man trug die abgetragene Kleidung der Geschwister oder man nähte sich seine Kleidung selbst. Doch dies war auch nur bedingt möglich, da nicht jeder sich das Nähgarn leisten konnte. Und nur, wenn man es nachweisen konnte, dass man keine Schuhe o. ä. mehr hatte, konnte man zum Wirtschaftsamt gehen und sich einen Bezugsschein aushändigen lassen, womit man dann das benötigte Kleidungsstück bekam.

Wie wurde geheizt?
Die meisten Wohnungen hatten Ofenheizung und da mein Vater öfters mal am Hafen war, brachte er uns ab und an Holz und Kohle zum Heizen mit.
Im Winter 1945 gab es einen 8-wöchigen Dauerfrost, in dem auch viele Menschen erfroren sind, da sie nichts zum Heizen hatten.
Ärmere Leute gingen auf den schon genannten Nachtwanderungsbewegungen in die Wälder oder auch auf die  Bahnsteige und fällten dort die Bäume ab, damit sie was zum Heizen hatten und nicht erfrieren!