Dieser Eintrag stammt von Manuela Mirow *1988

Meine Erlebnisse während des dritten Reiches in Österreich

Interview mit Frau Koops (*1939)

Ich wurde 1939 in dem Gebiet Backa (Batscha) an der Donau in dem früheren Jugoslawien geboren. Somit bin ich eine Donauschwäbin und Deutsche. Dort lebte ich zusammen mit meiner Mutter meinem Vater, meinem kleinen Bruder und meiner fünf Jahre älteren Schwester. Vom Krieg habe ich zuerst nicht viel mitbekommen. Erst drei Jahre später, als sich alles schlagartig änderte.

Mein Vater ist 1942 nach Österreich versetzt worden. Wenige Monate später lies er auch uns nachkommen.

Österreich war so wunderbar. Ich war zuerst sehr traurig meine Heimat zu verlassen. Als ich dann jedoch in Österreich ankam, war die Trauer wie weggeblasen. Die Nachbarn waren so nett und hilfsbereit. Meine Mutter hatte sich auch mit zwei Frauen angefreundet. Und ich, ich habe Hansi kennen gelernt, unseren Nachbarsjungen.
Diese glückliche Idylle wurde 1943 jedoch zerstört, denn mein Vater musste an die Front. Somit blieben wir 3 Frauen und mein kleiner Bruder Josef allein zurück. Es war eine sehr schlimme Zeit. Wir hungerten, wie alle anderen. 

Der Krieg tobte um uns herum. Wir konnten keine Nacht ruhig schlafen, denn die Sirenen weckten uns ständig auf. Danach hieß es immer: “Schnell in den Wald”, oder “Versteckt euch in den Gebüschen, möglichst unter den hohen Bäumen und still sitzen!”. Man durfte keinen Mucks von sich geben bis Entwarnung gegeben wurde. Deshalb schliefen wir auch immer in Anziehsachen, da wir immer damit rechnen mussten, gleich in den Wald rennen zu müssen. 

Im Kindergarten gab es immer wieder Übungen. Wir mussten schnell in Zweierreihen zu dem naheliegenden Bunker laufen und das Wichtigste war ruhig zu bleiben, hatte unsere Kindergärtnerin immer gesagt. Zwischen Kindergarten und Bunker lagen zwei Straßen, die von Häusern besiedelt waren. Ich habe diese Übungen immer gehasst, denn ich hatte riesengroße Angst vor dem Bunker. Er war so stickig und dunkel. Doch diese Angst rettete mir das Leben. 

An einem Vormittag gab es wieder Fliegeralarm und es hieß, wie gewöhnlich, schnell in Zweierreihen in den Bunker. Wir liefen so schnell, wie wir konnten. Als wir die erste Straße überquert hatten bin ich weggelaufen, denn ich wollte nicht in den Bunker. Ich stand neben einem Haus, schrie und um mich herum fielen Bomben. Ich drehte mich um und sah, wie meine Kindergartengruppe den Bunker erreichte. Auf einmal ging die Tür von dem Haus, neben dem ich stand, auf und eine ältere Dame zog mich hinein. Nach etwa einer Stunde war der Lärm vorbei und ich schaute zum Bunker. Er war weg. Eine Bombe hatte ihn getroffen und alle waren tot. Ich war die einzig Überlebende von 35 Kindern und einer Erzieherin.

Mein Bruder starb im Sommer 1943, was mich sehr traurig machte.

Wir feierten immer noch Feste, wie Weihnachten, Ostern oder Silvester. Natürlich gab es keine Geschenke, das fand ich aber nicht so schlimm. 

Einen Tag an den ich mich noch erinnere, ist Ostern 1944. Ich suchte gerade Ostereier im Garten zusammen mit Hansi. Plötzlich fielen Schüsse. Hansi nahm mich an die Hand und wir liefen schnell in den Keller. An der Treppe konnte man noch Einschüsse sehen, die uns zum Glück nicht trafen.