Dieser Eintrag stammt von Niko Bertels & Christian Wagner

Stefan T. berichtet über seine 1. Klassenreise nach 
dem 2. Weltkrieg (1946)

Nach dem 2. Weltkrieg, der viele Tribute forderte, lag Hamburg, wie viele andere Städte auch, in Trümmern. Gerade deshalb war die erste Klassenreise ein besonderes Erlebnis für mich. Als es im Sommer 1946 endlich soweit war und ich meine erste Klassenreise antrat, war ich 12 Jahre alt.

Die Reise führte mich und meine Klassenkameraden für 2 Wochen nach Sylt. Unsere Eltern waren froh, dass wir Kinder damals etwas anderes zu sehen bekamen als die Trümmer, die der 2. Weltkrieg hinterlassen hatte. Das Schullandheim, in dem wir diese 2 wunderbaren Wochen in den Sommerferien verbracht hatten, wurde durch Spenden unserer Eltern und Lehrer finanziert.


Dieses war im Laufe der Jahre von einem Hotel zu einem Schullandheim umfunktioniert worden, an dem später sogar noch Gebäude angebaut wurden. Unsere Klasse war ein Teil der Bismarck-Schule. Eine Schule, die Schüler aus mittelständischen Verhältnissen beherbergte. Der normale Unterricht zu dieser Zeit war eher streng und Leistungs-bezogen. Daher bot die Klassenreise eine gelungene und angenehme Abwechslung zum Schulalltag.


Hier war die Atmosphäre locker und gelassen. Obwohl wir auf der Klassenreise auch Unterricht hatten, merkte man trotzdem den Unterschied. Besonders wurde der Zusammenhalt gestärkt. Dieser verwirklichte sich nicht nur zwischen Klassenkameraden, sondern auch unter Schülern und Lehrern.


Gleichzeitig lernte man auch die Partner des jeweiligen Lehrers, wodurch eine familiäre Atmosphäre geschaffen wurde. Von der britischen Besatzung, die dort ansässig war, erhielten wir sogar Lebensmittel und kleine Präsente, da unser Heimleiter eine gute Beziehung zu den Briten pflegte. Dank unserem Lehrer, der ein Organisationsgenie war, wurden schon vor unserer Klassenreise Lebensmittel in der Schule gelagert, die wir dann zusätzlich auf Sylt zur Verfügung hatten.
Gerade für diejenigen von uns, die aufgrund der damaligen Lage kaum etwas zu essen bekamen, war diese Reise ein wahres Paradies, denn die Lebensmittelausgabe war durch Lebensmittelkarten stark beschränkt. Im Allgemeinen hatten wir einen geregelten Tagesablauf, der durch Ausflüge über die Insel, Geländespielen in den Dünen, Klassenunterricht sowie den Mahlzeiten geprägt war.

 
Vor jeder Mahlzeit sollten wir uns, in Klassen sortiert, aufstellen. Hierbei wurde zunächst einmal überprüft, ob alle Schüler anwesend waren, woraufhin die Verteilung der Post erfolgte, worüber sich alle sehr freuten. Aufgrund dieser Erlebnisse, freuten wir uns jedes Jahr wieder auf die anstehende Klassenreise nach Sylt.


Eines der besonderen Erlebnisse, an das ich mich auch heute noch gut erinnern kann, war die Rückfahrt von Sylt nach Hamburg. Wie auf dem Hinweg, legten wir die Strecke mit Bus und Bahn zurück. Auf der Rückfahrt kam es zu einem heftigen Unwetter, welches aus Donner und Blitzen bestand.

Besonders diese erste, aber auch alle darauf folgenden Klassenreisen waren erlebnis- und abwechslungsreich und ich blicke heute noch gerne auf die Klassenreisen und meine generell sehr positive Schulzeit zurück. Zudem trifft sich unsere Klasse auch heute noch einmal jährlich. Bis zum letzten Jahr war sogar noch unser Klassenlehrer immer mit dabei welcher jedoch letztes Jahr verstarb.