Dieser Eintrag stammt von Sandra Parzatka-Lipinski

Begrenzte Freiheit
in der Nachkriegszeit in Polen
Interview mit Herr W.

Es gab Arbeit
In der Nachkriegszeit gab es viel Arbeit. Unser Haus war ganz zerstört, so dass wir zu meinem Onkel ziehen mussten. Viele Familien mussten so zusammenleben. Man konnte sich nicht beschweren, dass es keine Arbeit gab. Jeder musste arbeiten. Man musste alles wieder aufbauen, im zweitem Weltkrieg wurde fast alles zerstört.

Wir waren nicht reich und auch nicht arm, unser Vater nahm jede Arbeit an, die er bekommen hatte, um uns ernähren zu können, deshalb hatten wir Essen. Doch auch wir Kinder mussten arbeiten. Unsere Mutter hatte auch gearbeitet. Sie nähte zu Hause für Bestellungen, und sie musste uns Kinder großziehen.

1949 konnte man schon auf neu abgegrenzte Erde ziehen. Wir zogen auf einen Bauerhof in der Nähe von Köslin (Koszalin), das liegt an der Ostsee.

Jeder hatte immer etwas zu tun. Unsere Familie bestand aus 6 Personen: Meine Eltern, zwei Schwestern, ein Bruder und ich. Mein Bruder und ich mussten jeden Tag früh vor der Schule aufstehen und Kühe hüten. Heute wohnen dort immer noch meine Schwester mit ihrer Familie.

In der Nachkriegszeit musste man alles für vorgegebene Preise an andere verkaufen, was man auf seiner Farm hatte, Kartoffeln etc. Für die Familie blieb nur wenig übrig. Die Arbeit auf dem Land war auch schwieriger als heute. Es gab keine Maschinen, man konnte auch keinen Dünger kaufen.

Keine Redefreiheit
Keiner durfte seine Meinung laut äußern. Man wurde dafür bestraft, wenn man etwas falsches über die Regierung sagte, man musste dafür ins Gefängnis.
Ein Mädchen aus meiner Schule hatte einmal ein Gedicht über Stalin im negativen Sinne geschrieben. Sie musste von der Schule gehen und wurde ins Gefängnis gebracht. Dieses Regime galt bis zum Tode Stalins.

Polen war nicht selbstständig, souverän. Polen war unter dem Einfluss von CCCP.
Erst im Jahre 1981 hat Polen seine Freiheit wiederbekommen.
Deshalb war das Leben sehr schwer, Polen war arm, konnte sich nicht entwickeln. Man musste schwer arbeiten mit schlechten Mitteln, ohne gute Maschinen.

Es gab auch gefälschte Wahlen, die Kommunisten wählten, wen sie wollten.