Dieser Eintrag stammt von Seda Celik

Flucht aus der Kriegsgefangenschaft 1947

Interview mit Herrn Richard Metze geboren am 25.01.1927 in Hamburg

Im März 1945 bin ich als Kriegsverwundeter in Berlin ins Lazarett gekommen.
Im April 1945 wurde das deutsche Lazarett von der russischen Besatzung übernommen, davor hieß das deutsche Lazarett Charlottenburg Fürstin Bismarck Schule. Im Juni 1945 bin ich mit Freunden in den Westen geflohen.
Da wir keine Papiere hatten, weil die russische Besatzung keine ausgab, wurden wir von den Amerikanern und der deutschen Polizei festgenommen.
Wenn wir nicht abgehauen wären, würden wir in die russische Gefangenschaft nach Sibirien abtransportiert, wo alle Zivilisten und Soldaten festgenommen wurden.

Als ich dann gefangen wurde, wurde ich nach Dachau bei München in die Gefangenschaft bis 1947 geschickt. Nach der regulären Gefangenschaft im Jahr 1947 wurde ich beim Amerikaner dienstverpflichtet.
Die Dienstverpflichtung dauerte bis 1952. Während der Dienstverpflichtung war ich beim Amerikaner als Industriepolizist eingestellt. Ich musste Fuhrparks und alle amerikanischen Objekte wie Wohngebiete und Warenhäuser bewachen.
Ich hatte während der Dienstverpflichtung ein Lagerleben, ich musste in Kasernen schlafen. Bis zum Ende der Dienstverpflichtung musste ich Uniformen tragen.
Sie waren schwarz- blau. Dazu musste ich auch einen Stahlhelm mit der Aufschrift IP tragen. IP stand für Industriepolizei.

In der Gefangenschaft bekam jeder 200 DM Taschengeld, zusätzlich wurden auch noch Kleidung, Unterhalt und Lebensmittel bezahlt. Im Frühjahr 1952 wurde ich aus der Dienstverpflichtung entlassen. Dann habe ich für die amerikanische Besatzung auf dem Bau gearbeitet, wir haben Wohnanlagen gebaut. Danach habe ich auf dem Schießplatz gearbeitet und kam anschließend in die deutsche Wirtschaft.

1960 hatte ich meinen Führerschein und arbeitete fünf Jahre als Taxifahrer.
Dann habe ich bis 1967 als Versicherungskaufmann im Außendienst gearbeitet, zu dieser Zeit habe ich meine Lebensgefährtin kennengelernt, die ich 1984 heiratete.
Bis 1969 habe ich in Süddeutschland in einem elektronischen Betrieb gearbeitet, wo Rechner hergestellt wurden. Im April 1969 bin ich mit meiner Frau zurück nach Hamburg gekommen. Erst nach der Gefangenschaft fing das Leben für mich an, das war im Sommer 1952.

In den 50er Jahren hatte ich keine Möglichkeit mich zu entfalten oder etwas zu erleben. In der Dienstverpflichtung und in der Gefangenschaft ging es nur ums Arbeiten. Ich hatte damals eine andere Jugend als die, die es heute gibt.
Wir hatten uns immer freiwillig gemeldet. Bis zum Ernstfall hatte ich schöne Eindrücke. Eindrücke vom Leben hatte ich keine, ich war nur gefangen und musste arbeiten.

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