Dieser Eintrag stammt von Carlotta Niemöhlmann (*1993)
Herr M. über die 60er Jahre und die Hippiekultur

Herr M. , wann und wo sind Sie geboren?

Ich bin 1953 in Hamburg geboren.

Was hat Ihnen an den sechziger Jahren besonders gut gefallen?
Wie haben Sie die Sechziger erlebt?

In den sechziger Jahren wurde ein allgemeiner gesellschaftlicher Umbruch eingeleitet und man kam endlich von der verstaubten, bürgerlichen Moral weg, eine offenere Denkweise wurde üblich. Diese erstreckte sich auf verschiedene Lebensbereiche, wie zum Beispiel auf die Musik, die Kultur, die Kleidung und auf Sex und Drogen. Ich habe in den sechziger Jahren die Auseinandersetzung zwischen der jüngeren Generation und der alten, konservativen Nachkriegsgeneration miterlebt.
 
Besonders spannend fand ich zu dieser Zeit die Provokationen durch unser Verhalten und die entsprechenden Reaktionen. Wir wurden zu dieser Zeit als Gammler abgetan. In diesen Jahren begann auch der politische Umbruch, die linken Parteien und die Studentenbewegung gewannen an großer Bedeutung. Die Studenten waren sehr aktiv und haben immer nach Mitläufern gesucht, die sich zum Beispiel an den Demonstrationen beteiligen sollten. Dies führte zu einer öffentlichen Auseinandersetzung und die Stimmung wurde immer radikaler. Der radikale Kern kämpfte mit Slogans für sein Recht und rief damit zur Gewalt auf: „Macht kaputt, was euch kaputt macht.“ Durch die Baader Meinhof Gruppe, brutale Revolutionäre und Terroristen, entstanden radikale Aktionen, wie Banküberfälle oder Geiselnahmen und Tötung von Politikern. Als letzte Zuspitzung folgten darauf häufige Polizeikontrollen und die Bürgerrechte wurden eingeschränkt.

War Sex ein Tabuthema?
Zu dieser Zeit wurde alles liberaler und Sex stellte eine sehr gute Provokationsmöglichkeit dar. Es gab damals diesen Spruch „ Wer zweimal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment.“ Auch durch die Pille gab es plötzlich alle sexuellen Freiheiten und es wurden bewusst Tabus gebrochen, wie zum Beispiel durch das Zusammenleben in einer Kommune.

Wurden Männer und Frauen gleichberechtigt behandelt? Welche Rolle hatte die Frau?
Nein, die Bewegung hat es versucht durchzubringen, aber auch heute ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau noch nicht erreicht. Ohne Erlaubnis des Ehemannes durfte die Frau damals nicht arbeiten, er hatte alles zu entscheiden. Die Frau war damals zumeist Hausfrau und Mutter und keine gleichberechtigte Partnerin.

Wie standen Sie zum Thema Drogenkonsum?
Die bekannteste und am meisten konsumierte Droge war damals Haschisch, aber ich habe damals eher Aufputschmittel und A1 zu mir genommen.

Haben Sie bei Demonstrationen mitgemacht?
Ja, durch die Studentenbewegung habe ich auch immer mitgemacht.

Haben Sie mit der Studentenbewegung gegen die offizielle Politik rebelliert?
Ja, das haben wir. Die Studentenbewegung war links und wollte vor allem den Kommunismus verwirklichen, aber auch der Sozialismus war ein Ziel.

Waren Sie früher ein Hippie?
Haben Sie den Lebensstil der Hippies gelebt oder sich der Hippiemode angepasst?

Nein, ich war kein Hippie und habe auch nicht deren Lebensstil gelebt, aber unsere Mode hatte mit der Hippiemode gewisse Ähnlichkeiten. Die Hippiemode war viel verspielter als unsere. Nur die Haarlänge und bestimmte Kleidungsstücke haben sich geähnelt.

Kannten Sie jemanden, der in einer Kommune gelebt hat oder haben Sie selbst in einer gelebt?
Ich selbst habe in keiner Kommune gelebt, aber ich kannte jemanden.

Haben Sie Jimmy Hendrix oder die Beatles gehört?
Die Beatles habe ich gehört, aber eher vor dieser Zeit und nicht während. Zu dieser Zeit habe ich eher Jimmy Hendrix gehört.