Dieser Eintrag stammt von Elina Foltz

Wie war es damals, als das Fernsehen farbig wurde?

Ich habe Frau F. am 4.4.2004 zum Thema Farb-Fernseher befragt. Sie wurde 1955 in Hamburg-Blankenese geboren.

1. Kannst du erzählen, was für einen Fernseher ihr hattet?
Wir bekamen genau am 25.August 1967 einen neuen Fernseher von der Firma Telefunken. Der Fernseher war ein komplettes Möbelstück, denn er befand sich in einem Schrank. Dieser Schrank hatte 4 lange, dünne Beine und zu beiden Seiten öffnende Falttüren. 

2. War es etwas Besonderes, einen Farbfernseher zu bekommen?
Ja absolut, es war ein richtiges Ereignis. Allein das Anschließen des Apparats, war etwas Aufregendes, denn schließlich musste ein riesiges Antennengestell auf das Dach montiert werden und darauf hin musste die Antenne ausgerichtet werden, damit wir einen guten Empfang hatten. Man konnte durch die Antenne auf dem Dach erkennen, wer einen Fernseher hatte. Am Anfang waren es weniger, später gab es auf einigen Dächern einen richtigen „Antennenwald“.

3. Gab es durch den Fernseher mehr Kontakt zu anderen?

Der Kontakt kam tatsächlich schneller zustande, z.B. haben Schulfreunde oder Nachbarkinder, die keinen Farbfernseher hatten, plötzlich Interesse gezeigt und so hat man so manchen neuen Freund bekommen.

4. Was habt ihr euch denn angesehen?

In den 60ern sah ich tatsächlich nicht viel mehr als "Kinderstunde“, vielleicht noch „Bonanza“ oder mal mit meinen Eltern mal „Beat Club“, mein kleiner Bruder Sandmännchen. Aber viel mehr auch schon nicht, zumindest kann ich mich nicht mehr an was anderes erinnern. Nachhaltig sind die Erinnerungen an den Hasen Cäsar. Er war wirklich der Held meiner Kindheit und zum Teil auch noch an die Augsburger Puppenkiste.

5. Durftet ihr den Fernseher immer anmachen, wann ihr wolltet oder lief er sowieso die ganze Zeit?
Nein, anmachen durften wir ihn nicht selber. Das Fernsehen war etwas besonderes, damals saß man mit 2-3 Kindern zu einer abgesprochenen Zeit davor. Und was mit Sicherheit anders war als heute, es gab nur einen Film zusehen, der lustig, informativ oder Unterhaltsam war und diesen am frühen Nachmittag und auch nur höchstens eins bis zwei mal die Woche, danach ging man wieder raus und spielte das eine oder andere nach. Außerdem stellt sich die Frage nicht, denn es gab nur ARD und ZDF Sender und das nicht mit einer sehr großen Auswahl.

6. Habt ihr mit euren Eltern auch Fernsehen geguckt?
Ja, das war am Wochenende genauer gesagt am Samstag, da saßen alle Familienmitglieder zusammen vor dem Fernseher. Ab 20 Uhr gab es Unterhaltungsshows. Man knabberte Salzstangen und alle amüsierten sich. Dann ab 22 Uhr spätestens war aber Schluss mit dem Gucken. 

7. Wie hast du das farbige Fernsehen empfunden? 

Man war schon sehr beeindruckt von den farbigen Bildern. Tierfilme und Landschaftsfilme haben einen viel mehr fasziniert, genauso wie man dann endlich z.B. die Farben der Kleidungen, der Schlagersänger bewundern konnte und sie sich nicht mehr vorstellen musste.

8. Hat sich das Leben durch den Farbfernseher verändert?

Eigentlich nicht, aber ich glaube man hat die Mode etwas mutiger mitgemacht, da jetzt alles bunt zu sehen war und man dadurch viele neue Eindrücke bekommen hat. Das einzig Unschöne am Farbfernseher, waren die Nachrichtensendungen, sie waren durch die Farbe realistischer geworden und in manchen Fällen sehr extrem, wenn z.B. ein Unfall gezeigt wurde. 

9. Haben deine Eltern dir erklärt, wie die Farbe in den Fernseher kommt und hast du es überhaupt mitbekommen, als es die ersten Farbsendungen gab? 
Mein Vater erklärte schon, dass der Ingenieur Walter Bruch das PAL-System entwickelte, aber wie es genau geschah, dass es plötzlich Farbe im Fernseher gab, habe ich damals nicht mitbekommen. 
Die ersten richtige Farbsendungen, die auf ARD und ZDF am Nachmittag ab ca. 15 Uhr liefen, haben wir natürlich gleich geguckt, genauso wie die erste farbige Life-Sendung die glaub ich auf ZDF „ der goldene Schuss“ gegen Abend lief.

 

siehe auch Erläuterungen zu diesem Text!