Dieser Eintrag stammt von Julia Weiß

Schule 1960 

Interview mit Frau M., geb. 1947

Frau M. wurde 1947 in Bergedorf geboren. Ich habe sie am 18.11.2000 zum Thema "Schule 1960" befragt, damals war sie 13 Jahre alt. Heute arbeitet sie als Beamtin bei der Post.

Frage: Wie viele Schüler waren in Ihrer Klasse?

Frau M.: Zwischen 30 und 36 Schüler

Frage: War es in ihrer Klasse denn nicht sehr laut?

Frau M.: Nein, wir waren disziplinierter als heute. Ich erinnere mich, dass wir unsere Hände gefaltet auf den Tisch legen und gerade sitzen mussten. Wenn ein Lehrer in den Klassenraum kam, standen wir auf, um ihn zu begrüßen, aus reiner Höflichkeit dem  Lehrer gegenüber. 
Wir erhoben uns auch, wenn wir uns gemeldet hatten und eine Antwort geben sollten. 
Wenn es nach einer Pause wieder zur Stunde geklingelte,  mussten wir uns in Zweierreihen aufstellen und unser Lehrer hat uns dann in die Klasse gebracht.

Frage: Waren Jungen und Mädchen in einer Klasse?

Frau M.: Nein, unsere Schule war eine reine Mädchenschule. Dadurch gab es nur wenige Unstimmigkeiten in der Klasse.

Frage: Hatten Sie auch eine fünf Tage Woche?

Frau M.: Nein, wir mussten sechs Tage die Woche zur Schule gehen.

Frage: Gab es eine Kleiderordnung?

Frau M.: Nein, man war froh, wenn man genug zum Anziehen hatte. Unsere Kleider haben meistens unsere Eltern und Großeltern für uns genäht oder gestrickt.

Frage: Wie waren die Lehrer?

Frau M.: Älter und konsequenter. Hat eine Schülerin mal nicht gehorcht, musste sie sich in eine Ecke oder vor die Tür stellen. Nach zwei bis drei Verwarnungen musste man zum  Direktor. 

Frage: Durften die Lehrer die Schüler früher selber bestrafen?

Frau M.: Sie haben es manchmal getan. Die Lehrer haben uns mit einem Lineal oder einem Zeigestock bestraft. Wir mussten dann unsere Handinnenflächen hinhalten, auf die  man dann ein paar Schläge bekam. Manchmal wurde aber auch in die Wange gekniffen oder es flog gezielt ein Schlüsselbund.

Frage: War das Zeugnis genauso wie bei uns?

Frau M.: An sich ja, bis auf das wir für die allgemeine Haltung, und für die Schönschrift auch eine Note im Zeugnis  bekommen haben.

Frage: Gab es Klassenfahrten?

Frau M.: Ja, eine war in die Heide, fünfte, sechste Klasse, und die zweite war an die Weser, siebte bis zehnte Klasse.

Frage: Wie lange waren Sie auf Klassenreise?

Frau M.: Je nur fünf Tage, aber es war eine lustige Zeit. Wir haben viele Lieder gesungen und waren auch oft Wandern.

Frage: Was waren Ihre Lieblingsfächer?

Frau M.: Singen, Handarbeiten (Nähen), Werken und Kochen.

Frage: Haben Sie ihre Schulbücher auch von der Schule bekommen?

Frau M.: Ja, man durfte die Bücher aber hinterher behalten. Außerdem haben wir auch unsere Hefte, Bleistifte und Radierer von der Schule bekommen. In der ersten Klasse wurde  noch auf Schiefertafeln geschrieben.

Frage: Wie waren die Klassenzimmer früher ausgestattet?

Frau M.: Wir hatten in den ersten vier Klassen feste Sitzreihen mit Holzbänken und Holztischen (genauso wie in der Hasenschule). Wir saßen immer zu zweit auf einer Bank. Es war ein eingearbeitetes Tintenfass oben in der Mitte der Tischplatte und links und rechts jeweils zwei etwas breitere Rillen, in die wir unsere Federhalter ablegen konnten. 

Frage: Wurde auch im Freien unterrichtet?

Frau M.: Ja, in den ersten Klassen sind wir häufig in den Park oder in den Wald gegangen, wo wir dann auch Unterricht hatten.

Frage: Ich habe mal etwas von Schulspeisung gehört, gab es das auch bei Ihnen?

Frau M.: Ja, in der ersten bis vierten Klasse gab es jeden Tag Milch, für die unsere Eltern ein geringes Endgeld bezahlt haben. Durch den Verschluss der Glasflaschen konnten wir einen Strohhalm in die Milch oder auch in den Kakao stecken und so den Inhalt der Flasche in der großen Pause im Klassenraum austrinken. Außerdem konnten ärmere Kinder, die kein Geld hatten, mittags in der Schule eine warme Mahlzeit essen. Dafür brachten sie von Zuhause sogenanntes Kochgeschirr aus Aluminium mit. Zu essen bekamen sie Suppen, wie z.B. Milchsuppe oder Erbsensuppe.

 

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