Dieser Eintrag stammt von Florian Kluth

Die Mondlandung

Interview mit Hans-Werner Kluth

1969 hatte drei große Ereignisse: Am 15. März wurde ich 10 Jahre alt, im Mai bekam unsere Familie den ersten Fernseher und am 16. Juli startete Apollo 11.
Für mich war der Flug zum Mond die erste große Berichterstattung, die ich über mehrere Tage im Fernsehen verfolgen durfte. Die Übertragungen dieses Ereignisses waren oft zu Zeiten, wo man als 10-jähriger normalerweise im Bett lag. Da meine Eltern genauso begeistert waren wie ich, haben sie mich nachts immer geweckt, um gemeinsam mit mir die Übertragung zu verfolgen. Das war schon eine spannende Geschichte und für mich schwer zu begreifen, dass man Bilder aus ca. 300.000 Km Entfernung zur Erde funken konnte, die ich dann im Fernsehen verfolgte.

Es war ein wunderbares Gefühl, Abend für Abend von meinen Eltern geweckt zu werden, aufgeregt vor dem Fernseher zu sitzen und auf die nächsten Bilder aus dem All zu warten. 
All die Bilder, die dort aus dem All gesendet wurden, haben mich total begeistert. Voller Spannung habe ich dann auf die eigentliche Mondlandung gewartet. Diese Bilder haben sich in mir eingeprägt und sie sind bis heute da. Ich habe vor dem Fernseher gesessen und mit allen anderen Fernsehzuschauern auf dieser Welt gezittert. 
Dieses Zittern begann bei der bevorstehenden Landung auf dem Mond. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie uns mitgeteilt wurde, dass die vorgesehene Landestelle nicht angeflogen werden konnte.
Das diese Mission doch zum Erfolg wurde, war nur dem Piloten (Neil Armstrong) zu verdanken. Er hat kurzfristig die Steuerung der Mondlandefähre „Eagle“ manuell ausgeführt und an einem anderen Landepunkt aufgesetzt. Nur durch sein schnelles Handeln führte der  Landeversuch zu einem Erfolg.

Und was dann folgte, ging in die Geschichte ein: Der erste Mensch betrat den Mond. Diese Bilder habe ich leider nur als Aufzeichnung sehen können, weil ich zum Zeitpunkt des Ausstiegs aus der Landefähre schon wieder im Bett lag.
Trotzdem habe ich dieses spannende Gefühl der ersten Schritte auf dem Mond aufgenommen, als wenn ich dabei gewesen wäre.
Am Abend war dann wieder Spannung angesagt, weil die Mondlandefähre sich an „Columbia“ ankoppeln sollte. Für diese Ankoppelung gab es nur einen Versuch, weil die Treibstoffreserven nur für einen Versuch reichten. Wäre hier ein Fehler unterlaufen, wären alle Astronauten nicht mehr aus dem All zurückgekommen. Doch die Koppelung klappte und die drei Astronauten machten sich auf den Rückweg zur Erde auf. Jetzt gab es nur noch eine Gefahr: Der richtige Einstiegswinkel in die Erdatmosphäre. Nur ein bis zwei Grad Abweichung von dem richtigen Kurs hätten genügt und „Columbia“ wäre verglüht.

Nach Eintritt in die Erdatmosphäre war der spannendste Moment vom Abriss der Funkkontakte bis zum Sichtkontakt zur "Columbia".  Ich werde die Bilder nie vergessen, wie diese Raumkapsel an drei riesigen Fallschirmen ins Meer stürzte. Zu diesem Zeitpunkt war dennoch nicht klar, ob die Astronauten unbeschadet wieder auf der Erde angekommen waren.
Marinespezialisten, die mit Hubschraubern bei der Raumkapsel ins Wasser gelassen wurden, waren die ersten, die die Astronauten sehen konnten. Und als dann die Nachricht kam, dass alle Astronauten wohlauf waren, ging sicherlich ein Jubel um die Welt und ich war stolz, dass ich dieses Ereignis miterleben durfte. Noch heute kann ich von dieser Sensation berichten, auch wenn ich vielleicht den genauen Zeitablauf nicht mehr genau vor Augen habe. Was bin ich froh, dass wir im Mai 1969 einen Fernseher bekommen haben, sonst hätte ich meinem Sohn Florian diese Geschichte nicht erzählen können.

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