Dieser Eintrag stammt von Özgür Yildiz

Erinnerungen an die RAF

Ergebnisse eines Interviews mit Karlheinz August aus Reinbek bei Hamburg: 

„Bei einem Staatsbesuch eines ausländischen Diplomaten fing es erst richtig an. Dort erschoss man den militanten Studenten Ohnesorg.

Im Grunde war die RAF eine gewalttätige Organisation von Studenten und anderen Intellektuellen, die mit dem demokratischen System nicht einverstanden waren. Unter anderem „protestierten“ sie mit ihren Anschlägen gegen den Vietnamkrieg und gegen soziale Ungerechtigkeiten.
Nachdem die Medien über die Erschießung des SDS Führers berichtet hatten, gab es regelrechte Straßenschlachten um Verlagshäuser. Geld für ihre Terrorakte besorgte sich die RAF durch Einbrüche, Banküberfälle und Raubmorde. 

Das war für die späten 60er Bewegungen unfassbar, da diese gezielt auf friedlichen Wegen versuchten, etwas am System zu ändern.
1972 bei den olympischen Spielen erschossen Palästinenser einige israelische Sportler. Einige behaupten noch heute, dass die RAF ihre Hände mit im Spiel hatte mit Hilfeleistungen für die palästinensischen Attentäter. Die Jahre danach waren geprägt von Verhaftungen und Prozessen, aber viel kam dabei nicht heraus, im Gegenteil, sie machten weiter und töteten weitere hohe Personen, unter anderem Staatsanwälte, Richter und den damaligen „Deutsche Bank“ – Chef.

Aber die Bewegung endete etwa Mitte der 80er, beziehungsweise verschwand nach und nach von der Bildfläche. Nur noch wenige Aktionen folgten seitdem, bis die RAF Funktionäre irgendwann das Ende der RAF verkündet haben.

Die RAF war wohl die größte terroristische Organisation der Nachkriegszeit in Europa. Ich habe die Zeit selbst mit erlebt. Da ich wohl einer der jungen Wilden in den späten 60ern und 70ern war, kann mich dennoch von solch gewaltbereitem Gedankengut distanzieren.“

Erläuterung
RAF – Rote Armee Fraktion (Kurzfassung)

Die Rote Armee Fraktion wurde etwa 1970 offiziell von Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Horst Mahler und Gudrun Ensslin gegründet und entwickelte sich zur größten deutschen Terrororganisation der deutschen Nachkriegszeit. Die schlimmsten RAF-Terrorjahre verübten die Nachfolge-Generationen über fast 30 Jahre hinaus. Die wohl bekanntesten Aktionen waren 1977 mit der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback, des Bankiers Jürgen Ponto, sowie dem Mord an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer.


Die RAF war der Meinung, dass Deutschland grundsätzlich verändert werden musste und wollten für eine bessere, soziale Gesellschaft kämpfen. Diese Organisation, die sich aus Intellektuellen- und Studentenbewegungen zusammensetze, verfolgte als Ziel gewaltsame Akte gegen hohe Personen in der Industrie und im Staatsapparat. Nach mehreren erfolgreichen und weniger erfolgreichen Aktionen der RAF löste sich diese Gruppierung in den späten 90ern komplett auf.