Dieser Eintrag stammt von Daniel Thomsen


Fußball-WM 1966 in England 
und: „The ball was behind the line?“

„Yes“! - Das “Wembley-Tor“

Die folgenden Angaben stammen von meinem Vater Christian Thomsen (Jahrgang 1954 ), der im Alter von 12 Jahren die Fußballweltmeisterschaft in England in Hamburg 1966 verfolgte.

Fußball hatte früher nicht denselben Status wie heute. Inwiefern war dennoch eine „Fußball-Euphorie“ speziell in Hamburg zu spüren?

Fußball, beziehungsweise eine Fußball-Weltmeisterschaft war auch schon damals ein Highlight in Europa. Fast die ganze Bevölkerung fieberte seit dem WM-Erfolg 1954 mit der deutschen Nationalmannschaft. Außerdem war, gerade in Hamburg, die Mannschaft von Helmut Schön so populär, da der Hamburger Stürmer Uwe Seeler, einer der Hoffnungsträger der Weltmeisterschaft, in dieser Mannschaft spielte. Natürlich fuhr der Fußball nicht auf der selben Schiene wie heute, aber dennoch schaute sich ein Großteil der Nation die Spiele der Deutschen an. Fußball war die einzige Sportart, die so populär war, dass sie in diesem Maße im Fernsehen gezeigt wurde. Fast alle Jungs in meinem Alter spielten Fußball im Verein. Dementsprechend populär und interessant war der Profi-Fußball für uns.

Waren Fernseher so weit verbreitet, dass jeder einen besaß und beliebig Fernsehen gucken konnte wann er wollte?
Nein natürlich nicht. Fernseher waren damals zwar schon verbreitet vorhanden, dennoch gab es viele Menschen in der Bevölkerung, die in die Kneipe oder zu Nachbarn gehen mussten, um die Spiele der Nationalelf zu sehen.

Mit welcher Spannung wurde die Fußball-WM in Deutschland und hauptsächlich in Hamburg erwartet?
 Der deutsche Fußball entwickelte sich nach dem Sieg der WM 1954 (Deutschland besiegt Ungarn im Finale 3:2) in Bern immer weiter und wurde stetig erfolgreicher. Es gab zahlreiche Talente (unter anderem Franz Beckenbauer oder Berti Vogts) und die Vereinsmannschaft von Borussia Dortmund feierte den ersten deutschen Erfolg bei einem Europapokal-Turnier auf internationaler Bühne.

Das war 1966 (Borussia Dortmund gegen FC Liverpool n. V. 2:1; Hampden Park in Glasgow ) und im selben Jahr fand die Fußball-WM statt. Die Erwartungen waren also relativ hoch und die Nationalmannschaft hatte viele Fans. Wir Kinder waren natürlich auch gespannt auf dieses Turnier, da wir bereits selber alle im Verein spielten und die begehrten Spieler in Form von Aufklebern sammelten.

Die WM sorgte im Großen und Ganzen für viel Trubel. Insbesondere das "Wembley-Tor" sorgte für viel Aufregung. Wie hast du diesen Moment erlebt?
Das Tor war in der Tat sehr umstritten und das Thema wird ja bis heute noch gerne immer wieder aufgetischt. Für mich, als Junge im Alter von zwölf Jahren der seinen Helden hinterher fieberte war es kein Tor. Man konnte natürlich auch anhand der Zeitlupenaufnahme nicht beweisen, ob der Treffer gültig war oder nicht, aber es gab natürlich auch keine große Anzahl an Kameras, die dies beweisen konnten. Heute überwachen zeitweise 18 Kameras in einem Fußball-Stadion das Spiel, aber damals waren es allenfalls drei. Ich dachte mir gleich, dass dieser Ball nicht hinter der Linie sein konnte. Wahrscheinlich hatte ich es in diesem Moment auch nicht wahrhaben wollen. Als der Linienrichter dann zu seinem Assistenten lief und ihn um Rat fragte, sagte dieser, dass der Ball die Torlinie überschritten habe, 
Dieses Ereignis war natürlich maßgebend für den Deutsch-englischen Hass, der sich durch den zweiten Weltkrieg auch auf den Fußball auswirkte. Die Engländer freuten sich. Sie hatten die Deutschen“ geschlagen. Die WM war aber nicht nur deshalb ein aufregendes Ereignis. Im Vorfeld passierte bereits auch einiges. Die WM-Trophäe (der »Coupe Jules Rimet«) war einige Monate zuvor gestohlen worden. Ein streunender Terrier namens „Pickles“ fand sie in einem Londoner Vorgarten.

Für die deutsche Nationalelf bedeutete die Qualifikation für die WM einige Aufregung. Deutschland wäre um ein Haar nicht qualifiziert gewesen, wäre Uwe Seeler nicht gewesen. Seeler spielte das erste Mal wieder nach einem Achillessehnenabriss und schoss den Siegtreffer.

 

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