Dieser Eintrag stammt von Nicole Voss


Sturmflut in Hamburg

Ein Interview mit Frau Hildegard Steinhorst 
„1962 habe ich mit meinem Mann und unserer zweijährigen Tochter in einer kleinen Wohnung in Altengamme gewohnt. Die ganze Woche schon war es ungemütlich draußen gewesen. Aber am Abend des 16. Februar wurde der Sturm immer schlimmer. Im Radio wurden sogar Sturmflutwarnungen durchgegeben und die ganze Nacht ging der Sturm weiter. Das gefiel mir gar nicht. Am nächsten Morgen hörten wir dann nur noch, dass alle Leute, die im öffentlichen Dienst arbeiteten, bitte umgehend ihre Dienststellen aufsuchen sollten. So auch mein Mann, er arbeitete bei der HEW, den Hamburgischen Elektrizitäts-Werken,  in Tiefstack und musste nun dorthin. Ich hatte große Angst, dass er nicht wiederkommt.“

.Ich musste mich um meine Tochter kümmern und war dabei sie zu baden. Doch plötzlich fiel der Strom aus! So musste ich mein Kind wieder aus der Badewanne nehmen. Ich bin dann zu meiner Schwiegermutter gegangen. Dort konnte ich Essen zubereiten und die Milch wärmen, denn meine Schwiegermutter hatte, im Gegensatz zu mir, einen Gasherd.    

Den ganzen Tag sah ich das Elbwasser, wie es hoch am Deich stand. Ich hatte Angst, der Deich würde brechen oder das Wasser überweglaufen. Doch wir hatten, im Gegensatz zum Unglück anderer Menschen, Glück. Denn auf der anderen Seite der Elbe war der Deich schon mehrere Male gebrochen. Dort konnte sich das Wasser nun ausbreiten und bei uns stieg es nicht mehr so hoch. Wäre der Deich in Vierlanden  an mehreren Stellen gebrochen, dann wäre ganz Hamburg wohl unter Wasser gewesen und es wäre bis nach Bergedorf gelaufen. Wir waren sehr froh, dass das nicht passierte. Außerdem war uns immer erzählt worden, dass unser Deich so hoch sei wie die  " Kirchturmspitze der Bergedorfer Kirche". Ich trat keinen Schritt vor die Tür an diesem Samstag!

Am Abend kam mein Mann wieder zurück. Er erzählte mir, was er in der Stadt erlebt hatte. Der direkte Weg nach Tiefstack, ein Stadtteil Hamburgs, war durch das Wasser versperrt worden, ganze Strassen waren weggesackt. Er hatte Umwege fahren müssen um wieder nachhause zu kommen. Auf der Arbeit war die Hölle los gewesen. Aus den Sielen kam überall das Wasser hoch. Durch seine Arbeitskollegen erfuhr er erst, wie schlimm es die anderen Stadtteile getroffen hatte. Vor allem Wilhelmsburg! Viele seiner Kollegen durften zum Beispiel ihre Kühlschränke und andere Sachen mit nach Tiefstack bringen um sie dort trocknen zu lassen. 

Ich bin sicher:
„Hätten wir nicht einen Innensenator wie Helmut Schmidt gehabt, der alles so gut organisiert und koordiniert hat, dann wäre Hamburg wohl noch mehr überschwemmt worden.. Und es wären noch viel mehr Menschen gestorben. Er hatte damals eine große Rettungsaktion gestartet. Menschen retten und Deiche sichern lassen. Ohne seine Tatkraft wäre wohl alles noch schlimmer geworden!

Alles was ich aber mitbekommen habe, reichte mir. Ich bin froh, dass mein Wohnort von den Wassermassen verschont geblieben ist. Ich hoffe, dass so etwas nicht wieder in solchen Ausmaßen vorkommt.

 

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