Dieser Eintrag stammt von Marcel P. (*1994)
und Julian L. (*1994)

Alltag im nationalsozialistischen Deutschland

Zum Alltag in nationalsozialistischen Deutschland gibt es immer wieder Fragen und ungeklärte Themenbereiche. Um diese etwas zu aufzudecken haben wir Gerd Fahl (*1928) interviewt.

Wie war damals die Schule in Bezug auf den Nationalsozialismus?

Der Nationalsozialismus war in der Schule eigentlich nie wirklich Thema, es kam auch nie ein Lehrer morgens in das Klassenzimmer und begrüßte uns mit einem „Heil Hitler“. Ein Lehrer hat zwar immer den Arm zum Hitlergruß erhoben, dann hat er aber immer gesagt, was wir in der Stunde machen werden. Das einzig Nationalsozialistische, was es bei uns gab, war das Antreten auf dem Schulhof, z.B. am 20. April, dem Geburtstag Hitlers oder am Tag des Schulbeginns. Wir mussten dann mit dem Hitlergruß zuerst das Deutschlandlied und anschließend das Horst-Wessel Lied singen. Viele haben aber ihren Arm auf die Schultern von denen gelegt, die vor ihnen standen, außer natürlich die vorderste Reihe, weswegen da auch niemand sein wollte.

Sie wurden gegen Ende des Krieges, 1944, als Flakhelfer der deutschen Wehrmacht eingezogen, was haben Sie da gemacht?

Wir sind mit der Flak mehrmals umhergezogen, irgendwann dann auch nach Trittau in die Gebietsführerschule der HJ. Dort wurden wir dann zum ersten Mal auf die NS-Philosophie getrimmt. Das alles war Bestandteil der „Aktion Heldenklau“, bei der die NS-Führung versucht hat, neue Soldaten für die Front zu bekommen. Gegen Ende 1944 wurden wir dann aber alle entlassen, weil wir keine Mitglieder der Wehrmacht waren und so auch keine Soldaten. Danach habe ich nie mehr etwas von der HJ gehört.
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Wie haben sie den Alltag erlebt?

Mein Alltag hat sich durch die Nationalsozialisten nicht großartig verändert, ich war weiter sehr sportlich engagiert und bin deswegen auch schon früh in die HJ eingetreten. Ab März 1937 hatten in gewisser Weise alle etwas mit der NSDAP zu tun, aber da sie beitreten mussten, änderte sich trotzdem nicht viel. Die, die wegen dieses Beschlusses beigetreten sind, nennt man auch Märzgefallene.

Was können sie uns über die HJ sagen?

Die HJ war so etwas wie ein Treffpunkt für Jugendliche, weil ich weiter Sport machen wollte, musste ich auch beitreten. Wir haben aber nie etwas gemacht, was großartig mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte. 1942 musste ich dann aber feststellen, dass es normalerweise nicht so war, in diesem Jahr wurden wir nämlich in ein HJ-Lager nach Trittau geschickt. Die Zeit dort war die schlimmste, die ich erleben musste. Mit unserem HJ-Führer mussten wir einmal durch die Mönckebergstraße in Hamburg ziehen mit dem Ausruf „Juda verrecke“. Das war mir unglaublich peinlich und ich habe mich dafür einfach nur geschämt.