Dieser Eintrag stammt von Alexandra Böhm (* 1984) aus Hamburg

"Man folgte einfach der Allgemeinheit,...
..., denn es gab nur einseitige Informationen!"

Ergebnisse eines Interviews mit Herrn Schmitz aus Hamburg-Bergedorf:

"Man hatte keine gegenteiligen Informationen. Es wurde nie etwas darüber ausgesagt, was mit den Juden passierte. Man wusste nur, dass einige Juden es wohl noch geschafft hatten auszuwandern. Als Deutscher auszuwandern war noch schwerer. Und als der Krieg erst einmal begonnen hatte, war es zu spät! 

Es hat sich auch niemand getraut, etwas zu fragen oder etwas zu machen, was verboten war. Denn alles wurde zensiert und sehr hart bestraft. Wenn man z.B. einen ausländischen Radiosender gehört hatte und dabei erwischt wurde, wurde das mit dem Tode bestraft! 

Da Hitler legal an die Macht gekommen war, dachte das Ausland, dass er in vielleicht 1 bis 2 Jahren wieder verschwinden würde. Außerdem dachte man an nichts Böses, denn schließlich fühlten sich bis 1936 noch alle ziemlich frei. Zumindest probierte Hitler, das allen glaubhaft zu machen. Er hatte sich nämlich ein perfektes Täuschungsmanöver ausgedacht. Als 1936 die Olympischen Spiele stattfanden, hatte Hitler vorher angeordnet, alle judenfeindlichen Plakate abzunehmen. So machte es einen guten Eindruck. Worauf das Ausland natürlich nichts unternahm. 

Was das Ausland aber nicht zu wissen schien, war, dass Hitler z.B. 2 Jahre vorher, also 1934 viele Mitglieder (z.B. den Anführer Röhm) der Sturm Abteilung (SA) hatte umbringen lassen. Nachdem Hitler die SA zunächst als Hilfspolizei gegründet hatte, fürchtete er aus irgendeinem Grund später, sie könnten eine Revolution gegen ihn in Gang bringen. Worauf er sie kurzerhand einfach verhaften oder umbringen ließ. Und was das Ausland außerdem nicht wusste, war, dass es Hitlers Endziel war, Europa zu unterwerfen. 

Ich war zu dieser Zeit gerade in der Schule. Bis 1939 war auch noch alles ganz normal. Doch dann kam der Umschwung. Plötzlich wurden die ganzen jungen Lehrer eingezogen und mussten an die Front, und die 70-Jährigen kamen, um uns zu unterrichten. Man wurde aber nicht direkt in der Schule zum Nazi ausgebildet. Die Lehrer probierten eher, uns aus den Kriegsgebieten herauszuhalten. 

Ausgesuchte, qualifizierte Kinder kamen dann später in die NAPOLA. Das war damals allerdings eine Minderheit. In der NAPOLA sollte dann die spätere Elite heranwachsen. Und diese Kinder waren von uns anderen Kindern sehr angesehen. 

Ich bin dann in die Hitlerjugend (HJ) gekommen. Wenn man da mal nicht anwesend beim Unterricht war, wurde man gleich von der Polizei abgeholt. 

In der HJ gab es oft Schlägereien mit den so genannten Swingkids. Diese hatten mit uns, der HJ, nichts am Hut. Wir waren wie Konkurrenten! Die Swingkids waren auch ganz anders als wir. Sie waren locker, lässig, mit Hut, langem Mantel und weißem Schal gekleidet. Als Außenstehender hatte man keine Chance, sich ihnen anzuschließen. 

In der HJ war alles sehr streng. Wir mussten Uniformen tragen und sehr viel über Hitler wissen. Wenn man z.B. die genauen Lebensdaten von Hitler nicht wusste, ist man gleich durch das ABI gefallen. 

Die meisten Kinder in der HJ waren Kinder aus Arbeiter- und Bauernfamilien, denn die Bauern bewunderten Hitler, weil er ihnen versprochen hatte, dass sie bevorzugt werden. Die Swingkids hingegen waren meistens aus Familien mit reichen Eltern (z.B. Akademikerfamilien). 

Am 21. Juli 1944 kam dann das Attentat auf Hitler. Es wurde von allen zur Kenntnis genommen, aber keiner wusste genaueres darüber. Es hatte sich dadurch aber nichts verändert." 

Frage: "Herr Schmitz, haben sie Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte?" 

Herr Schmitz: "Nein, die Menschen heute sind weiter. Sie haben eine Demokratie kennen gelernt und lassen sich nicht mehr so leicht beeinflussen."

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