Dieser Eintrag stammt von Friedrich Schüttfort

  Besuch des Archigymnasiums in Soest/Westfalen

Im April 1935 wechselten von der katholischen Patrokli Volksschule 5 von 42 Schülern zum Staatlichen Archigymnasium, das in diesem Jahr das 400jährige Bestehen feierte. In der Stadt Soest gab es zu der Zeit für Jungen das Staatliche Archigymnasium und die Oberrealschule, für Mädchen das städtische Lyzeum und das von den Ursulinen geleitete katholische Hildegard Lyzeum.

Zu Beginn des Schuljahres traten alle Schüler - meines Wissens etwa 180 - in ihrem Klassenverband nach Körpergröße geordnet auf dem Schulhof an. In der neuen "Sexta" war ich unter den drei Kleinsten. Die Klassen trugen die lateinischen Bezeichnungen. Die jüngste Klasse war die Sexta, dann folgten die Quinta, Quarta, Tertia, Untersekunda, Obersekunda, Unterprima und Oberprima. Jede Klassenstufe trug die Schülermütze in einer bestimmten Farbe, beginnend mit blau, dann grün, braun - Primaner trugen die Mütze in weiß. 1938 wurden die Mützen allgemein abgeschafft. 

Als alle angetreten waren, kam das Kommando "Links um" - "im Gleichschritt Marsch", und die Kleinsten führten in Dreierreihe die Marschkolonne der Schule an. Der Marsch führte zum Sportplatz der Schule. Hier befand sich ein Fahnenmast. Die Marschkolonne nahm im Halbkreis um den Fahnenmast Aufstellung. Es gab eine kurze Ansprache, dann wurden bei erhobenem und ausgestrecktem rechten Arm das Deutschland-Lied und das Horst-Wessel-Lied gesungen und gleichzeitig langsam die Hakenkreuz-Fahne hochgezogen. Nach diesem "Festakt" marschierte die Kolonne zurück zum Schulhof. Wir Schüler gingen in unsere Klassen. Diese Zeremonie wiederholte sich jeweils zu Beginn eines Schuljahres.

Jeweils vor Unterrichtsbeginn am Montag versammelten sich für 15 Minuten alle Schüler in der Aula zur Morgenandacht. Katholiken durften daran teilnehmen. Während des Krieges variierte die Orgel zum Schluss dieser Andachten häufig das Lied "Ich hat einen Kameraden..." und wir erfuhren vom Tod eines ehemaligen Schülers.