Dieser Eintrag stammt von Catrin Wildmann (* 1983) aus Hamburg

  

Auswertung eines Interviews mit Frau Lehmann:

Als es vorbei war, spielten sie „Freude schöner Götterfunken“ 

Die einzigen, die in Deutschland wussten, was auf sie zukommen würde, waren die Anhänger der Widerstandsbewegungen. Eine dieser Widerstandsbewegungen nannte sich „Weiße Rose“. Ihr gehörten, wie auch den meisten anderen, hauptsächlich Studenten und gebildeter Menschen an. Sie versuchten ihre Mitmenschen aufzuklären und zum Nachdenken zu bringen, leider meistens vergebens. Die meisten Menschen dachten einfach nicht darüber nach, dass nicht alles nur Vorteile hatte. So fragten sich wenige zum Beispiel, wozu eigentlich die Autobahnen gebaut wurden. 

Hitler behauptete, Juden könnten nicht mehr in Berlin bleiben. Die Juden wollten aber gar nicht weg, und so versuchten sie sich bei Freunden  zu verstecken. Auch die Familie von Frau Lehmann, die ich  befragte, wurde von einem Juden aufgesucht, mit dem diese schon lange befreundet war. Die Familie versteckte ihn. Doch leider wurde der Jude schwer krank. Die Familie versuchte, ihn erst zu Hause zu pflegen, weil ihnen bewusst war, dass er, sobald er in ein Krankenhaus käme, verloren wäre. Nach einiger Zeit ging es dann aber nicht mehr anders und die Familie brachte in ins Israelische Krankenhaus. 

Der Bruder der Familie hatte den Juden heimlich dort besucht. Wenn er erwischt worden wäre, wäre die ganze Familie mit dran gewesen. Leider starb der Jude nach langem Leiden an der Krankheit.

Die Lehrer wurden damals eingezogen und mussten an die Front. Der Mann von Frau Lehmann ist dort gefallen. Ihr Schwiegervater ist in Berlin gehängt worden. Frau Lehmann hatte Tränen in den Augen, kein Wunder, wenn man so viele Menschen in dieser Zeit verloren hat. Wir trauten uns nicht, hier weiter nachzufragen.

Ich  fragte Frau Lehmann, wie ihrer Meinung nach der Nationalsozialismus entstanden sei. Nach ihrer Meinung waren die Menschen hilflos. Es herrschte damals große Not, und so waren die Menschen sehr gutgläubig. Die ältere Generation sagte später ja noch, dass es damals gar nicht so schlimm war. 

Es waren einfach zu viele Menschen da, die das alles geglaubt haben. Es waren zu wenig Menschen, die sich damit intensiv befasst haben und so die Folgen voraussehen konnten. Hitler hat viel geredet, und die Leute sind darauf hereingefallen. Viele Menschen waren sehr arm, und das war der Vorteil für Hitler.

Als die Zeit vorbei war, waren die Menschen glücklich. In einer Halle in Rothenburgsort/Hamburg feierten sie. Es wurde „Freude schöner Götterfunken“ gespielt. 

Dann fingen die Menschen an, alles wieder mit den Händen aufzubauen. Es war unglaublich, welche Kraft sie aufbrachten.