Dieser Eintrag stammt von Ceylan Yigit

Persönliche Erlebnisse einer Frau während des
2. Weltkrieges 

Ergebnisse eines Interviews mit Frau Emma D. aus Hamburg-Bergedorf

Emma D. hat während des Krieges, 1 Kilometer entfernt vom Konzentrationslager in Neuengamme mit ihren 9 Kindern gewohnt. Sie hatte keine Ahnung, was dort geschah und dachte, dass dort Kriegsgefangene und Kriminelle "gehalten" wurden, die bestraft werden mussten. Sie hat zu der Zeit mit ihrer Familie, wie die meisten damals, Landwirtschaft betrieben und hatte einen französischen und drei russische Strafgefangene als Arbeiter bei sich. Die wurden von der Wehrmacht abgeholt, aber sie musste sie verpflegen. 

Emma hat sehr viele Erlebnisse gehabt, deshalb hat sie auch etwas durcheinander erzählt. Es waren für sie Erlebnisse, die sie nie vergessen wird. Am Ende des Krieges, als die Engländer als Besatzungsmacht in Bergedorf waren, erklang ein furchtbarer Pfiff von der Lock des Zuges, überall waren englische Soldaten. Der Zug war voll mit Menschen, es waren SS- und NSDAP- Leute. Es standen leere LKWs und ein Zug, in denen die SS- und NSDAP- Leute einsteigen sollten. Als einer vom Gelände zu den Gärten zu fliehen versuchte, wurde er von einem der Engländer erschossen. Als alle verfrachtet waren, versuchten einige von ihnen noch, Adressen und Namen herunterzuwerfen, die dann von den zuschauenden Menschen aufgesammelt wurden, um ihre Angehörigen benachrichtigen zu können.

Während des Krieges waren die Straßen sicher, die Kinder konnten morgens beruhigt zur Schule gehen. Doch die Schulen waren in Lazaretts umgewandelt worden und es gab nur Schichtunterricht. Die Kinder von Emma mussten sich auf dem Weg zur Schule treffen, weil sie nur ein Paar gute Schuhe für die Schule hatten und tauschen mussten. Ihr Mann, 1898 geb., war schon freiwillig an die Front im 1. Weltkrieg gegangen. Mit 17 kam er wieder, weil er verwundet war, und noch mit 42 Jahren wurde er in den 2. Weltkrieg eingezogen, ungefähr ein halbes Jahr bevor die Russen den Gegenangriff machten. 

Ihr Mann war Rechnungsführer mit einer Einheit aus Hamburg in einem Kriegsgefangenenlager. Irgendwann wollte sie ihren Mann besuchen, was verboten war. Sie machte sich auf den Weg dorthin, mit einer anderen Bergedorferin, deren Mann auch da war. Sie stellten sich ans Gitter und schauten rein und fragten einen Soldaten, ob sie ihre Männer sehen dürfen. Sie sagte den Namen ihres Mannes, so dass er ausgerufen wurde und sie sich am Gitter gesehen haben. Sie schaffte es sogar mit einer geliehenen Uniform dort hineinzukommen und 5 Tage zu verbringen, ohne dass es die Kontrollen gemerkt haben. Tagsüber hielt sie sich versteckt. Nach dem 5. Tag schlich sie sich mit der Uniform an der Seite des Fahrers von dem Verpflegungslastwagen hinaus. Bis zum Hamburger Hauptbahnhof behielt sie diese an und alle wunderten sich, als sie die Uniform dort dann auszog. Ihr Mann kam April 1946 wieder. Es war ein gefährliches Erlebnis. 

Als Abschluss hat sie mir erzählt, dass der Zuspruch für Hitler dadurch entstanden ist, dass allen Arbeitsplätze versprochen wurden.