Dieser Eintrag stammt von Ingrid Fahl

Kriegsausbruch

Als mein Vater eines Tages von der Arbeit kam hörte ich, wie er zu meiner Mutter sagte: „Der Krieg steht vor der Tür.“

Es muss Mitte August 1939 gewesen sein. Gerade war ich 9 Jahre alt geworden und hatte keine Vorstellung vom Krieg. Ich fragte mich, was ist Krieg? In meiner Vorstellung standen schrecklich aussehende Männer, vielleicht mit großen Stöcken, vor unserer Wohnungstür. Dann, am 26. August, -es war der Tag der Mobilmachung - kam abends der Gestellungsbefehl für meinen Vater. Die Post machte Überstunden. Ich lag schon im Bett und bemerkte die Aufregung bei meinen Eltern. Als ich dann fragte, was passiert sei, sagte mein Vater nur, dass er am nächsten Morgen in Lüneburg in der Scharnhorst-Kaserne sein müsse. Genau kann ich mich nicht erinnern, aber einen Tag Urlaub bekam er nach der Einkleidung noch vor dem Beginn des Krieges. 

An den anderen Tagen fuhren meine Mutter und ich jeden Nachmittag zur Kaserne. Für die Soldaten gab es dann kurze Zeit Ausgang. Manchmal standen wir auch lange vor dem Kasernentor und mussten warten, bis die Kompanie von einer Übung zurückkam.

Am 1. September wurde ich durch meine Mutter früh geweckt. Sie schickte mich nicht zur Schule. Wir fuhren zur Kaserne. Dort standen wir mit vielen anderen Frauen und Kindern wieder lange vor dem Tor. Jetzt war es geschlossen. Endlich kamen die Soldaten, darunter auch mein Vater. Durch das Gitter sagte mein Vater uns: „Keiner darf mehr raus aus der Kaserne. Wir rücken gleich aus.“ Wir konnten uns nur noch verabschieden. Dann haben wir gewartet, bis sie auf Lastwagen an uns vorbeifuhren, - einer ungewissen Zukunft entgegen.

Anmerkung: Mein Vater fiel am 7. Dezember 1941 in Russland.