Dieser Eintrag stammt von Christina Gevert(*1989

Bei mir war alles nicht so schlimm!

Ergebnisse eines Interviews mit Frau Inderbiethen (*1934)

Ich habe Frau Inderbiethen über ihre Vergangenheit in der Hitler-Zeit interviewt. 
Sie hat in Hochdonn/Schleswig-Holstein gelebt. Da das ein kleineres Dorf war, hat sie alles nicht so stark miterlebt, wie andere die mitten in der Stadt gelebt haben. 
„Es sind zwar Bomben gefallen, aber nicht viele und nur ab und zu, aber wir konnten sehen, wenn Bomben auf Hamburg gefallen sind! Es war ein Bild, wie man es sich gar nicht vorstellen kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat.“ 
Als man schon Flugzeuge hörte, dachten wir uns meist schon, dass es Bombenangriffe waren. Wir liefen dann in unseren Keller und hofften, dass alles schnell vorbeiging und vor allem, dass es gut für unser Dorf ausging. Das war auch fast immer so, unser Dorf wurde fast nie getroffen, nur einmal war es schlimm, danach war ein großer Teil unseres Dorfes zerstört!
Bombennächte gab es auch nie wirklich, nur ab und zu gab es Bombenalarm, dann hat meine Mutter alle wichtigen Papiere eingepackt und wir saßen mit der ganzen Familie im Keller, und haben gehofft, dass das alles bald und friedlich vorbei ist“. 
Sie hatten im Dorf auch keine Bunker, sondern konnten sich nur in den eigenen Häusern schützen. „Wir saßen meist alle zusammen in unseren Keller!“
Die wirtschaftliche Lage war bei ihr damals auch nicht so schlimm, denn auf dem Dorf, auf dem sie lebten, konnten sie sich selbst versorgen und bauten selbst ihr essen an. Außerdem hatte ihre Tante, die auch in dem Dorf lebte, einen eigenen Bauernhof. Trotzdem wurden auch bei ihnen viele Sachen geklaut, wie z.B. Fahrräder oder sogar Zähne von denen, die Goldzähne hatten. Sie sind dafür in deren Häuser eingebrochen und haben sie sich aus den Gläsern geholt, in denen sich die Zähne nachts befanden! Knappheiten gab es auch im allgemeinen in der Familie nicht, nur bei einer ihrer Tanten, denn sie selbst war arbeitslos und ihr Mann war mit 36 Jahren gestorben. „Deshalb kamen sie jeden Tag zum Essen zu uns.“
Trotzdem war sie in der Hitlerjugend, in der sie hauptsächlich Sport machte; sie war zu dieser Zeit sogar Leistungssportlerin! Sie musste während ihrer Jugend oft mit anderen Frauen zusammen von Tür zu Tür gehen und bei Fremden Geld für die HJ sammeln. In den sogenannten Frauenschaften mussten sie auch anders arbeiten, z.B. mussten sie kochen. 
Nachdem sie aus der Schule kam, (sie war in einer Volksschule, die nur bis zur 8. Klasse ging /heutige Hauptschule), hatten sie nicht soviel Zeit wie die heutige Jugend, um das zu machen, womit sie Spaß hatten, denn als sie aus der Schule waren, gingen sie mit ihren Geschwistern zu einem Haus, wo sie Essen bekamen, welches von Engländern war, die in der Nähe ihres Dorfes für sie gekocht haben. Sie konnten fast nie zu Hause essen, denn ihre Mutter war arbeiten, und ihr Vater war im Krieg. Nach dem Essen mussten sie Hausaufgaben machen und dann zur BDM. Dort machten sie oft sogar bis spät abends Sport. 
„Die Erziehung war damals viel strenger als heute“, sagte sie, „denn man wurde damals von den Lehrern geschlagen, wenn man geredet hat oder keine Hausaufgaben hatte. Das ist heute verboten.
„Die Jugend war damals allgemein viel eingegrenzter als heute,“ sagt sie, wenn sie daran denkt, wie kriminell die Jugend heute ist, „damals konnte man alleine durch einen Wald gehen, ohne Angst haben zu müssen, das einem etwas passiert!“ Außerdem hatte man aufgrund der HJ keine Freizeit, man hatte kein eigenes Geld und man musste arbeiten, zum Beispiel mussten die Jungs auf Feldern arbeiten, während die Mädchen kochen mussten oder Wasser holten. Diskriminiert wurde man auch nicht, wenn man zu religiös war, denn fast alle waren von der Religion her ziemlich gleich, alle mussten eine Konfirmation machen und auch zur Jugendweihe, was heute nur getrennt geht, da es um zwei verschiedene Religionen geht.
Damals hat sie gehofft, Deutschland gewinnt den Krieg und alles ist bald vorbei, aber sie hat eher gedacht, alles wird so bleiben und es wird sich nichts ändern. Wenn sie heute an die damalige Zeit zurückdenkt, ist sie froh, dass alles vorbei ist und dass die Jugendlichen heute eine bessere Jugend haben, als sie sie früher hatte!