Dieser Eintrag stammt von Gönke Jensen (*1990)

Das Leben auf dem Lande

Interview mit Herrn Christian Jensen (*1921), 2007

Über Christian Jensen
Christian Jensen ( geb. 09.03.1921) kommt aus Meynfeld, nahe der deutsch-dänischen Grenze. Dort hat er seine Kindheit und Jugend mit seinen Eltern Karl und Inge Jensen, sowie seinem Bruder Johann Jensen verbracht, bevor er in den Krieg zog. Von 1941 bis 1944 war er im Krieg, danach zog er mit seiner Frau Marga Jensen nach Goldebek (Dorf in der Nähe von Flensburg).
Seit 2006 wohnt er bei seiner Tochter, Inge Jensen, in Reinbek. 

Wie war die Zeit vor dem Nationalsozialismus? 
Christian Jensen erzählte, dass sich vor 1930 viele Parteien gebildet hatten, da das Volk mit der Regierung nicht zufrieden war. Die Menschen wollten wieder ein Kaiserreich haben. Es haben sich sogar deswegen, viele freiwillig einer Wehrausbildung unterzogen. In dieser Zeit gingen die Preise extrem runter, z.B. hatte das Vieh lange nicht mehr so einen schlechten Preis, es wurde oft auch unter Wert verkauft. Dadurch, dass die Marktpreise runter gingen und die Bauern nicht mehr viel für ihre Tiere und sonstigen Erzeugnissen bekamen, haben viele Kredite aufgenommen. Die Wirtschaft wurde in dieser Zeit immer schlechter und instabiler. 

Wie war die Anfangszeit des Nationalsozialismus? 
Es hatte sich auf dem Land, dort wo Herr Jensen aufgewachsen ist, nicht viel verändert. Um 1933 gab es das Gesetz, dass ein Elternteil arbeiten durfte, damit ein Arbeitsplatz für einen Arbeitslosen frei wurde. Da sie aber auf dem Land wohnten galt dieses Gesetz nicht für Menschen in der Landwirtschaft. Er konnte sich auch noch daran erinnern, dass 1933 festgelegt wurde, dass jeder nach der Lehre ein halbes Jahr auf dem Land arbeiten musste, damit wollten sie die Leute von der Straße holen.

Mit seinen 12 Jahren durfte er vieles nicht wissen. Bei Besuch mussten er und sein Bruder Johann auf ihr Zimmer gehen, oder die Eltern und die Gäste sprachen auf Dänisch. Sie sollten nicht merken, dass sich etwas veränderte. Er erwähnte, dass man viele Arbeitskräfte aus anderen Ländern holte z.B. aus Jugoslawien.

Schule in der Hitlerzeit

In der Schule hatten die Schüler mehr Unterricht in Sport als in Mathe oder in Deutsch. Die Treffen der Hitlerjugend fanden teilweise auch in der Schulzeit statt. Man hatte Prüfungen, in denen zu zeigen war, wie gut man im Dreikampf, Faustball und Schlagball war. Herr Jensen erzählte, dass er früher einer der Besten im Sport war und dass so etwas sehr gerne gesehen wurde. Sie bekamen immer Urkunden für die Sportleistungen. Die Jungen waren in der Hitlerjugend organisiert, die Mädchen im BDM, dem Bund Deutscher Mädchen. Die Hitlerjugend traf sich immer mittwochabends und am Wochenende. 
Zudem sind sie 8 Tage in ein Lager gefahren. Dort war die Kameradschaft besonders wichtig und sie lernten den Umgang mit einer Waffe. I

Die Zeit im Krieg 
Er sagte: „Ich bin 1941 in den Krieg gezogen und war dort bis 1944. Auf dem Weg nach Russland begegnete ich meinem Vetter, der allerdings ein paar Tage später gefallen ist. Ich war zuerst in der Ersatztruppe und kam dann zur Einsatztruppe. In der Zeit bei der Ersatztruppe habe ich meinen Führerschein gemacht und in meinem gelernten Beruf als Schlosser gearbeitet. Als Schlosser wurde ich auch im Zug nach Russland eingesetzt.
Bei jedem Wetter mussten wir, egal ob -40°C oder bei hohem Schnee, Fahrzeuge reparieren. Jeden Tag von 07.00 Uhr morgens bis 19.00 Uhr abends arbeiteten wir.
Ich hatte den Vorteil, dass ich einen Führerschein hatte. Wir waren 1942 kurz vor Moskau. Von da aus gingen wir nach Leningrad (heute St. Petersburg) und dann nach Nowgorod.
Einen Tag vor Weihnachten 1942 wurde ich am Bein verwundet. Ich kam in ein Krankenhaus in Hamburg. Durch meine Verletzungen wurde ich oft freigestellt. Ich kam kurz vor dem großen Angriff auf Hamburg aus dem Krankenhaus.
In Krakau, neu stationiert, bekam ich dann 1944 einen Steckschuss auf einer Brücke. Nach diesem Vorfall bin ich dann im Juli 1944 nach Hause gekommen, genau am Geburtstag meiner Mutter. In der Zeit bei der Einsatztruppe war ich Zugführer und später Befehlshaber. Ich hatte mich dazu in den vier Jahren hochgearbeitet. In der Zeit, in der ich im Krieg war, hatte ich keine Ahnung, dass sich mein Bruder, Johann Jensen, in der Gefangenschaft der Russen befand. Er kam erst 1949 nach Hause. Meine Eltern wussten 2 Jahre lang nicht, ob ihr Sohn noch am Leben war.