Dieser Eintrag stammt von Alexandra Leichsenring


Kindheit im 2. Weltkrieg
(Ängste und Erlebnisse von Marion T.)


Ich habe nie über Krieg nachgedacht, doch durch Filme und Erzählungen von z.B. Marion T. wurde mir klar, wie viel Schreckliches Krieg mit sich bringt.

"Im September 1939 wurde uns von Adolf Hitler über den Rundfunk mitgeteilt, dass wir uns nun im Kriegszustand befinden. Von jetzt an mussten wir mit den Lebensmitteln sehr sparsam umgehen, da sie uns ab sofort zugeteilt wurden. Wir bekamen Lebensmittelkarten, jeweils extra für die Männer, für die Kinder und für die Frauen.

Da der Krieg sich zur Zeit in anderen Ländern wie beispielsweise in Polen, Frankreich und der Tschechoslowakei abspielte, spürten wir bis ca. 1941 nicht viel davon. Doch dann setzten auch in Hamburg die Bombenangriffe ein, woraufhin wir oft in den Luftschutzkeller mussten. Da die Angriffe meist nachts waren, mussten wir dort sogar auf Strohbetten schlafen. Ein Koffer mit Wertsachen (Papieren, Schmuck, Geld, evtl. Fotografien usw.) stand immer gepackt bereit. Da bei den Angriffen nur vereinzelt Bomben fielen, machten wir uns als Kinder einen Spaß daraus, am nächsten Morgen Bombensplitter zu sammeln. Doch 1943 wurden die Bombenangriffe heftiger und Herr Hitler wollte seinen Nachwuchs retten und schickte sie in die Kinderlandverschickung. Mädchen wurden in Familien untergebracht und Jungen kamen ins Lager, z. B. in die Tschechoslowakei oder nach Ungarn. 

Im Juni wurde Hamburg in 3 Tagen durch Bombenangriffe völlig zerstört. 
Zum Glück war meine Mutter zu Besuch bei mir in Bayern, denn aus unserer ehemaligen Straße kam keiner mehr lebend heraus. Da die Kinderlandverschickung nur auf 6 Monate vorgesehen war, brachte meine Mutter mich und meinen älteren Bruder im Oktober nach Dievenow in Pommern, weil es in Hamburg noch zu gefährlich war. 

Um die Jugend zu ertüchtigen, wurden die Jungen mit 10 Jahren zum Jungvolk eingezogen und die Mädchen zu den Jungmädchen. Dort wurden sie durch Sport und Disziplinübungen gedrillt. Mit 14 kamen die Jungen in die HJ (Hitlerjugend) und die Mädchen in die BDM (Bund deutscher Mädchen), dort begann ein strenger Dienst. 
Adolf Hitler war sehr darauf bedacht, Nachwuchs zu bekommen und ehrte die Mütter ab 4 Kinder mit einem Mutterkreuz. 

Da die Ostfront (die Russen) immer näher rückten, mussten wir im Februar '45 aus Dievenow fliehen. Doch der Bürgermeister wollte meinen Bruder nicht mitreisen lassen, da er zur Verteidigung heran gezogen werden sollte. Meine Tante, bei der wir wohnten, schaffte es den Bürgermeister zu überzeugen, dass mein Bruder mit musste. 
Von Pommern nach Hamburg brauchten wir nun anstatt 8 Std. 3 Tage. 
Meiner Mutter war es inzwischen gelungen, eine Bleibe für uns zu schaffen. Auf einem Gartengrundstück hatte sie ein 20m² großes, so genanntes Leyhaus von russischen Kriegsgefangenen aufstellen lassen. 

Wenn meine Mutter Nachtdienst hatte, brachte sie uns in einen Tiefbunker am Berliner Tor, wo wir dann übernachteten. Nach Dienstschluss morgens um 6 holte sie uns wieder ab. Es gab auch einen Hochbunker in der Nähe, aber wir bevorzugten den Tiefbunker, da er sicherer war.

Wenn am Tage Alarm war, mussten wir in den Luftschutzkeller im Bahnhofsgebäude. Einmal hat uns ein Tieffliegerangriff überrascht. Ich kam vom Einkaufen, als plötzlich die Tiefflieger auftauchten und auf einen Zug schossen, der 100m entfernt auf dem Gleis stand. Ich schmiss mich sofort auf die Erde. Zu meinem Schrecken bemerkte ich, dass meine Zöpfe mit den roten Haarschleifen noch auf meinem Rücken lagen. Ganz vorsichtig und ohne mich viel zu bewegen holte ich sie nach unten. Schnell war der Angriff wieder vorbei und ich lief nach Hause. Dort fand ich meine Mutter unter der Bettdecke versteckt und vor Angst zitternd. 

Karfreitag vor Kriegsende (5. Mai 1945 an meinem 11. Geburtstag) fielen bei einem Angriff noch einige Bomben in unserer Nähe. Mein Bruder und ich befanden uns in dem Luftschutzkeller im Bahnhof. Als eine Bombe ca. 60 m entfernt in einen Bahndamm einschlug, kam erst ein starker Windstoß in den Keller und dann schaukelte er hin und her. Gott sei Dank blieb das Gebäude heil. Wir sind noch einmal mit einem Schrecken davon gekommen. Nicht soviel Glück hatte eine Familie, die sich eine Höhle als Splitterschutz in die Erde gegraben hatte. Als in deren Nähe zwei Bomben einschlugen, lief die Höhle voll Wasser und sie ertranken. Es war ein wirklich schrecklicher Anblick für uns, als man die Leichen aus dem Wasser zog.

Da der Krieg sich dem Ende zuneigte, wurden die Lebensmittel immer knapper und auch auf den Lebensmittelkarten wurden die Rationen immer kleiner.
Auch nach dem Krieg blieben die Lebensmittel knapp, und aus Verzweiflung und Hunger gingen wir zu den Bauern und bettelten um Lebensmittel. Wenn wir Pech hatten, gerieten wir in eine Polizeikontrolle, die uns unser mühsam Erbetteltes wieder abnahm, da es verboten war.
Wir sammelten von den abgeernteten Kornfeldern die liegen gebliebenen Ähren, woraus wir uns ein wenig Mehl machten. 
Zu allem Unglück folgte auch noch ein sehr, sehr kalter Winter und es gab kein Brennmaterial zu kaufen. Um nicht zu erfrieren, hielten die Leute Kohlenzüge an und klauten Kohlen und Briketts. Es sprach sich auch sehr schnell herum, wenn auf dem Güterbahnhof ein Kohlenzug stand. Auch hier musste man vorsichtig sein, um nicht von der Bahnpolizei erwischt zu werden. 
Mein Großvater musste sogar eine Nacht auf der Wache übernachten.

Auch in dieser Zeit kamen noch viele Menschen durch Kälte und Hunger um.
Auf dem Hamburger Hauptfriedhof in Ohlsdorf wurde für die 1943 im Bombenhagel umgekommenen Hamburger ein Ehrenmal errichtet."

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Beurteilung
des Feldwebels Walter Tiedke, geb. 9.8.03, 

a) Wertung der Persönlichkeit 
(Charaktereigenschaften): Ruhiger,
offener Charakter,
kameradschaftlich 

b) geistige und körperliche
Veranlagung: tüchtig im
Marschschritt, körperlich
leistungsfähig 

c) Führung: sehr gut 

d) In welcher Stelle Dienst getan: 
Zug- und Gruppenführer ........?......
Strafvollzug 

e) Besondere Ausbildung: -

f) Dienstliche Kenntnisse und
Leistung: Gut, energisch, setzt
sich bei Gefg. gut durch 

g) Strafen: s. Str. A. 

h) Eignung: Zugführer 

1.) Zur Beförderung zum nächst höheren Dienstgrad: entfällt
2.) Zur Ernennung: entfällt
3.) Für welche Verwendung:
entfällt

 

Entlassungsschein

Der Uffz. (Unteroffizier) Georg Zdobnicky
geboren am 29.8.07 in Hamburg
hat vom 18.6.40 bis 23. April 1945aktiven Wehrdienst geleistet und sich während seiner Dienstzeit hier gut geführt.
Er wurde am 23. April 1945 nach Hamburg Bramstedt entlassen
Seine Wehrdienstpapiere (Kriegsstammrollenblatt, Soldbuch, W-Buch, V-Karte)* werden an
das ...........%............. überweisen.
Er hat am Entlassungstag erhalten*:
a) den Wehrpass (Dienstzeitbescheinigung)
b) Wehrsold bis einschließlich 30.04.45
c) Unterkunftsvergütung bis einschließlich 
....... %........

d) Naturverpflegung bis einschließlich 23.04.45
e) Verpflegungsgeld bis einschließlich
........%..........
f) als Eigentum: 1 Hemd, 1 Unterhose, 
1 Paar Socken, der Fußlappen, 1 Taschentuch
g) gegen Bezahlung von RM 10,-- ein Paar Schnürschuhe
h) leihweise:
Marschanzug bestehend aus Feldmütze, Feldbluse mit Kragenbinde, lange Tuchhose
Koppel mit Schloß, Schnürschuhen
(Schnürschuhe streichen sofern g) käuflich erworben)
i) Entlassungsgeld in Betrag von ........%..........RM

23. April 1945 a.v. Verteilungsstelle 4 B


Rückseite:
III. Bescheinigung über Meldungen am neuen Wohnort:
Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde

27.4.45 Bad Bramstedt (Holst.)