Dieser Eintrag stammt von Monika Machinowka (*1992)

Die Erinnerungen einer Polin zum 2. Weltkrieg


Aus dem Gespräch mit meiner Oma (*) über meine Urgroßmutter und deren Arbeit als Putzfrau bei einer deutschen Familie 1945 in Polen.

Meine Urgroßmutter Hildegarda Suski ist heute 84 Jahre alt. Da sie sich nach einem schweren Schicksalsschlag im Altersheim in Polen befindet, hatte ich leider nicht die Gelegenheit mit ihr ein persönliches Interview zu führen.

Welche Erinnerungen hat Oma an die Erlebnisse von Hildegarda Suski von 1945?

Oma erzählt, dass Hildegarda nicht oft darüber gesprochen habe, es scheint, als habe sie die negativen Erinnerungen verdrängt. Hildegarda hat allerdings ein eher schlechtes Meinungsbild von den Deutschen.

Woran liegt das?
Oma berichtet, dass sie mit anderen Kindern aus dem Dorf weggebracht wurde und für reiche Deutsche als Putzfrau arbeiten musste. Sie behandelten Hildegarda nicht besonders gut und sie durften untereinander auch kein Polnisch sprechen. Einmal erzählte sie, dass alle polnischen Kinder sich damals im Keller trafen und dort spielten und sich auf Polnisch unterhielten. Das war sehr gefährlich, denn wer erwischt wurde, erhielt harte Strafen, meistens setzte es Prügel.

Welche Arbeiten musste sie bei den Deutschen verrichten?
Hildegarda musste jeden Tag die Stufen wachsen und das ganze Haus auf Hochglanz polieren. Danach arbeitete sie bei einer anderen Familie, die es etwas besser mit ihr meinte.

Gab es sonst etwas Wichtiges?
Wie gesagt, redete Hildegarda nicht viel darüber, aber sie hat ab und zu ein paar Geschichten erzählt. Sie sagte zum Beispiel einmal, dass die Familie, bei der sie zuerst arbeitete, einen Hund besaß, der bei der Familie nicht besonders gut behandelt wurde, aber zu ihr nach dem Krieg zurückkehrte. Sie gaben den Hund der Familie zurück, da sie nicht wollten, dass diese annahmen, sie hätten den Hund gestohlen. Außerdem erzählte sie auch mal über ihre Eltern. Der Ururgroßvater war Soldat im zweiten Weltkrieg gewesen, ein erfolgreicher und angesehener sogar. Als er sich in Italien auf die Insel Hildegard oder so ähnlich rettete, benannte er deine Uroma danach, weil die Insel ihm viel bedeutete.

Bei uns in der Familie gibt es ein Ölgemälde von einem Ausblick auf die Kanäle dieser Insel. Als Erinnerung hat er das Bild anfertigen lassen und es mit nach Polen genommen. Später starb er aber an einer Kriegsverletzung. Von ihrer Mutter erzählt sie einen schon sozusagen ,,Familienwitz", den du sicher auch kennst: Zwei deutsche Soldaten wurden von den Russen gefangen genommen und der russische Offizier wollte deren Namen wissen. Also fragte er die beiden, wie sie hießen. Sie fragten ihn ,,was?", weil sie kein Russisch konnten. Der russische Offizier trug ein: Soldat 1: Name: Was. Soldat 2: Name: Bruder von Was.

 

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