Dieser Eintrag stammt von Sandra Parzatka-Lipinski (*1989)

Meine Erinnerungen aus dem 2.Weltkrieg


Ergebnisse eines Interviews mit Frau I. (1937)

Als der 2.Weltkrieg begann war ich erst 2 Jahre alt.

Das war eine schreckliche Zeit, die schrecklichsten Sachen habe ich in Erinnerung behalten, aber man bekam später auch noch viel mit von den Eltern.

Vor 65 Jahren sah die Welt ganz anders aus, die Erziehung war auch anders als heute, wir hatten Respekt und Achtung vor unseren Eltern und älteren Menschen. In der Schule durfte man nur deutsch sprechen und man musste dunkel-blaue Schuluniformen mit einem weißen Kragen tragen.

Zuhause wurde auch oft über den Krieg und Hitler gesprochen, was man natürlich nicht durfte. Man durfte auch sogar kein Radio hören, da man keine Informationen über die Zustände des Krieges und Hitler bekommen sollte, das war strafbar. Eine Person wurde beim Radiohören erwischt und wurde sofort ins KZ gebracht.

Eines Tages ging ich mit meiner Mutter am Fluss spazieren, plötzlich hörten wir laute Geräusche. Es waren Flugzeuge, Bombenflieger. Ich sah überall Feuer, Häuser standen im Brand, Menschen schrien und liefen davon. Ich dachte, dass der Krieg nie mehr aufhört. Ich war im Schock, lag weinend auf dem Boden, hatte Angst und wollte nicht aufstehen. Meine Mutter sagte mir, dass es schon vorbei ist und ich könne wieder aufstehen, doch alle Leute liefen weg und versteckten sich in Wäldern, Feldern, Löchern und Bunkern. Dort war es kalt und dunkel, das werde ich nie vergessen.

Damals starben viele Menschen, mein Onkel und Verwandte. Ich kann mich noch an eine furchtbare Situation erinnern: Neben unserem Haus wurde ein deutscher Soldat erschossen. Wenn ein Deutscher von einem Polen erschossen wurde, mussten dafür 10 Polen umgebracht werden. Sofort kamen andere Soldaten und fragten, was passiert ist und ob jemand das gesehen hat. Keiner hat was gesehen, also wurden alle Erwachsenen mitgenommen und mussten aussagen. Es wurden 10 Menschen in KZ gebracht.

Als sie meine Eltern mitgenommen hatten, blieb ich die ganze Nacht und einen Tag alleine zu Hause. Ich wusste damals schon, dass meine Eltern zusammen nie zurückkommen würden, ich hatte schreckliche Angst und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich dachte schon, dass ich für immer alleine auf dieser schrecklichen Welt bleiben würde. Nach dieser langen Zeit kam nur meine Mutter nach Hause.