Dieser Eintrag stammt von Nils Pommeranz (*1988)

Jugend im 3. Reich

Herr Y. ist 1928 in Hamburg geboren, evangelisch-lutherisch und hat drei Schwestern.
Seine Mutter ist durch natürliche Umstände in den frühen dreißiger Jahren gestorben.
Sein Vater war Soldat im ersten Weltkrieg. Dort wurde er schwer verletzt und konnte im 2.Weltkrieg nicht kämpfen. Sein Vater erzog ihn und seine drei Schwestern nicht streng, obwohl er immer nur ihr bestes wollte. Dies sieht man daran, dass er nie von ihm geschlagen wurde und sein Vater ihn nicht in den Krieg schicken wollte, da er selber verwundet worden war.

Vor dem Krieg
Bis zum Jahre 1943 haben sie in einer Zwei-Zimmer Wohnung in Hamburg-Altona gelebt. In der Zeit vor dem Krieg war er Jungzugführer, was ihm sehr viel Spaß bereitet hat. Dort wurde ihm auch Gruppen- und Vereinsbewusstsein eingeprägt, um später als Soldat tätig zu sein. Dies fiel ihm auch deshalb nicht schwer, weil er das Militär nicht mochte. Herr Y interessierte sich stattdessen für die Musik und spielte Fußball. Musik spielen fand er auch besonders gut, da die Leute an der Straße ihm und seinem Zug zujubelten. 
Sein Vater hat als Hobby an Radios herumgebastelt. Herr Y fand das Radio langweilig, da die ganze Zeit nur Nazi-Propaganda lief. 
Das Buch „Mein Kampf“ hatten sie zu erst nicht, da ihnen das Geld fehlte. Später bekamen sie es von den Nazis geschenkt. 
Herr Y. war nie Flakhelfer. Er weiß nur noch, dass einige seiner Mitschüler auf dem Heiligengeistfeld mitgeholfen haben.
Auf die Frage ob es einen Blockwart gab, meinte er das sie einen Hauswart hatten. Dieser war nur für ihr Haus zuständig. Doch was er machte, konnte er nicht sagen.

Sein Vater steckte kleine Nazi-Fahnen in Blumenkästen. Nicht aus dem Grund weil er ein Nazi war. Es war erstens Pflicht und zweitens galt man anderenfalls als arm und Anti-Nationalsozialist. Am Abend aber nahm sein Vater sie wieder heraus. Später bekamen sie noch eine Nazi-Flagge von den Nazis, die sie außen aufhängen mussten.
Herr Y. meinte noch, dass man nichts Negatives über die Nazis öffentlich weder sagen noch denken durfte, worauf von der Seite der Nazis her, sehr geachtet wurde.
Was ihm noch auf die Nerven ging, war die Propaganda. Herr Y ist immer noch seinem Vater dankbar, dass er nie Soldat wurde.
Die Propaganda herrschte auch in der Schule, da jeder Lehrer wollte, dass alle Kinder Soldaten werden und damit der NSDAP dienen würden. 
Wenn es Bombenalarm in der Schule gab, mussten er und die anderen Jungen in einen Bunker. Für die Mädchen gab es auch einen weiteren Bunker.
Herr Y. erinnert sich noch an das Essen in der Schule. Es gab meistens Kartoffeln, Bohnen und grüne Tomaten. Zwar liebte er das Essen nicht, doch er war froh, überhaupt etwas zu Essen zu bekommen. 
Über Juden weiß er, dass die Juden in seinem Stadtteil häufig in Nacht und Nebel-Aktionen, also im Geheimen, sodass niemand etwas merkte, verschleppt wurden. Viele wurden auch nie gefasst, da man von ihnen nicht annahm, dass sie Juden waren. Viele sind also „mit dem Strom mitgeschwommen“. Andere Juden wiederum kamen nicht in Konzentrationslager oder Massenvernichtungslager, da sie mit Nationalsozialisten verheiratet waren, sodass sie nicht als ganzer Jude galten.

Kriegsausbruch bis zum Jahr 1943
Vor dem Jahr 1943 hat Herr Y. an einer 6-wöchigen Kinderlandverschickung teilgenommen. Dies war sehr kurz. Dort hat er einem Bauern bei seiner Arbeit geholfen und ist in die dortige Schule gegangen. Ein genaues Datum wusste er nicht.
Später hat er statt ein Pflichtjahr zu machen, eine Militärausbildung absolviert. 
Als er wieder zu Hause war, hatte seine Familie und er nicht viel zu Essen. Das Essen bestand meist aus etwas Gemüse, Kartoffeln, Brot, Fleisch und Bohnen. Um etwas mehr zu Essen zu haben, hat er die Knochen vom Fleisch an eine Seifenfabrik verkauft. Den vorhandenen Kompost hat er einem Bauern gegeben, welcher damit seine Pferde gefüttert hat.
Herr Y. sagte noch, dass es unter ihrer Wohnung in dem Haus einen Luftschutzkeller gab. Wenn man nach der Entwarnung wieder heraus wollte, musste man sich mit Klopfzeichen bemerkbar machen. 
Der Luftschutzkeller hat sein Leben gerettet, da die Wohnung in der seine Familie und er lebte, komplett zerstört wurde. Er wusste sogar noch, dass die Phosphor-Bomben von den Engländern dies angerichtet hatten. 

1944-1945
Herr Y. arbeitete während des Krieges für eine Firma, welche Schiffsteile herstellte. Diese Firma zog mit ihm nach Thüringen um, da es dort für sie sicherer war. Dort lebte er mit vielen Arbeitern in engen Räumen zusammen. 
Sein Vater ging 1944 nach Kiel. Seine erste Schwester ging nach Sachsen und seine letzten beiden Geschwister nach Wilhelmshaven zu Verwandten. Dies hatte den einfachen Grund, dass es für sie unmöglich war in Hamburg zu leben, da sie ihre Wohnung verloren hatten.
Herr Y. hatte aber mit dieser Firma nicht viel Glück, da sie kurz vor dem Ende des 2.Weltkriegs schließen musste. Der erste Grund war, dass die Alliierten die Angestellten alle verhaftet hätten, da sie als Nazis gegolten hätten. Der zweite Grund war, dass er bald 18 Jahre alt wurde. Dies hätte für ihn bedeutet, dass er Soldat werden musste. Also versteckte er sich bei seiner einen Schwester in Hamburg, welche zurückgekehrt war. Dies war aber nicht das einzige Problem, denn das Essen wurde für beide knapp. Dies wäre normalerweise nicht so drastisch gewesen, da beide Lebensmittelkarten bekommen hätten. Doch dann hätte er sich verraten. Um dies zu verhindern, blieb er rund um die Uhr in der Wohnung seiner Schwester.
Sein 18. Geburtstag näherte sich immer mehr, doch er hatte gewaltiges Glück, denn kurz zuvor war der Krieg vorbei. 
Als abschließenden Satz meinte er, dass das Ende des 2. Weltkrieg ein Neuanfang in seinem Leben war.