Dieser Eintrag stammt von Christina Schulz (*1988)

Meine Jugend im 3. Reich

Ergebnisse eines Interviews mit Frau Helene E. (*1923)

In der Zeit des 3. Reichs, war ich 10 - 22 Jahre alt und wohnte noch in Baden-Württemberg (heute in Hamburg) genauer gesagt in Metzingen (Kreis Reutlingen). Dort wohnte ich mit meinen Eltern und meinen 7 Brüdern davon 6 Halbbrüder. Mein Vater war Schmied in einem kriegswichtigen Betrieb. Meine Mutter führte den Haushalt und arbeitete nebenbei bei Hugo Boss, wo sie an die Kleidung der Schutzstaffel (SS) Knöpfe annähte. Mein richtiger Bruder Hermann (geb.1913), war in der Hitlerjugend (HJ). Danach wurde er einberufen zum Heer und nahm dann am Frankreich Feldzug teil und anschließend am Russland Feldzug teil, wo er nach 2 Monaten im Alter von 21 Jahren fiel. Zwei meiner Halbbrüder sind in Italien gefallen. Gottlieb, mein Halbbruder, arbeitete mit seiner Frau in einem Erholungsheim der Sturmschutzabteilung (SA) als Hausmeister. 
Wie alle anderen Mädchen musste auch ich zum Bund deutscher Mädchen (BDM), obwohl mein Vater dagegen war, da er kein Geld um die Uniform zu bezahlen. Aber ich wollte zum BDM und man war ja auch dazu verpflichtet. So bekam ich erst einmal eine geliehene Uniform. Einmal die Woche traf sich der BDM um für die Soldaten zu stricken (Schals, Handschuhe, Pulswärmer usw.), damit sie nicht froren. 

Mein Pflichtjahr machte ich bei Hugo Boss im Haushalt. Bei Hugo Boss arbeitete ich auch später als Näherin. Dort nähten wir Uniformen und Kampfanzüge für die SS. Durch die durchgehende Beschäftigung bei Hugo Boss, war meine Zukunft gesichert. 

In der Schule waren wir ca. 40 Schüler in einer Klasse (Jungs und Mädchen zusammen). Unser Schultag ging von 8.00-12.00Uhr und von 14.00-16.00Uhr. Die Lehrer gingen nicht gerade sanft mit uns um. Wenn ein Schüler irgendetwas Unerlaubtes getan hat, bekam der Übeltäter Schläge (die Mädchen mit dem Rohrstock was auf die Finger und die Jungs auf den Po). Viele Jungen hatten schon vorgesorgt und haben sich die Hosen ausgepolstert. Als ich was vom Lehrer auf die Finger bekam, durften meine Eltern das nicht erfahren, sonst hätte es noch mal was drauf gegeben und das war ganz schön schmerzhaft. 

Aus heutiger Sicht möchte ich es nicht gerne noch einmal erleben, obwohl man früher dazu gestanden hat, da Hitler Arbeitsplätze (Straßenbau, Eisenbahnbau, Stahlwerke usw.) geschaffen hat. Auch wenn dies gut war, gab es nicht so gute Dinge. Man wurde zum Beispiel dazu gezwungen aus der Kirche auszutreten, wenn man das nicht getan hat, wurde man diskriminiert.