Dieser Eintrag stammt von Christina Schulz (*1988)

Mangelwirtschaft

Ergebnisse eines Interviews mit Frau Helene E.  (*1923)

Mit Beginn des Krieges im Jahre 1939 wurden sofort die Lebensmittel rationiert, damit jede Person etwas zu Essen hatte und nicht eine Person ganz viel zu Essen hatte und die andere ganz wenig. Das funktionierte so, dass man für jede Person ob Kind oder Erwachsener Lebensmittelmarken bekam. Es gab Markenabschnitte für Brot, für Nährmittel (Mehl, Grieß, Haferflocken usw.), für Fett, für Fleisch, für Zucker und für Tabak. Jede Karte hatte eine andere Farbe und man musste sie immer am 1. des Monats bei einer bestimmten Stelle abholen. Die Geschäftsleute durften nichts ohne Marken verkaufen und am Monatsende mussten sie die Marken aufkleben und abrechnen. Es gab auch Kleiderkarten mit Punkten. Für ein Paar Strümpfe musste man z.B. 2 Punkte abgeben, für einen Mantel etwa 50 Punkte. So etwas gab es auch für Schuhe. Für den Sommer wurden dann Schuhe hergestellt, die oben aus Stoff waren und eine Holzsohle hatten, die Schuhe gab es punktefrei. Hausschuhe hat man selbst gemacht. Man hat sich dicke Socken gestrickt und eine Sohle aus Teppich darunter genäht. Außerdem bekam auch jeder eine Zuteilung an Kartoffeln und an Heizmaterial, wie Kohle und andere Brennstoffe. Das war nicht sehr viel, deshalb wurde auch immer nur ein Zimmer beheizt. Wenn man sich Holz oder Tannenzapfen zusätzlich zum Heizen aus dem Wald holen wollte, brauchte man dazu einen Sammelschein. Den Sammelschein bekam man im Rathaus. Im Herbst sind wir fast täglich in den Wald gegangen und haben Tannenzapfen gesammelt.

Das Sammeln war in dieser Zeit auf allen Gebieten üblich. So wurden unter anderem auch Fleischknochen gesammelt. Für 3 kg bekam man dann ein Stück Schwimmseife. Die Schwimmseife konnte in der Badewanne nicht untergehen und hat somit länger gereicht. Oder man hat Bucheckern gesammelt; für etwa 2 kg bekam man dann 100ml Öl. Es wurden aber auch Küchenabfälle, heute sagt man Biomüll, gesammelt damit hat jemand dann ein Schwein gefüttert. Das durfte er aber ohne Genehmigung nicht schlachten. Wenn er dies trotzdem tat, hat er schwarzgeschlachtet und wurde bestraft. Die Menschen waren aber sehr erfinderisch im Verbergen. Sie haben viel organisiert, getauscht und auch geteilt.