Dieser Eintrag stammt von K. Zumbeck

  Aus meiner Stromzeit
(Nicht von Reuter, sondern von Zumbeck)


Die Neue Straße war der Mittelpunkt unserer Welt, so haben wir das erlebt: Collosseum mit Inge Hauffe und Pertici, mit Günter Ide und in dem Haus, auf das wir noch später kommen werden, mit Hilde Lammers, nicht zu vergessen Herweg Reinelt,
das waren meine Spielkameraden. Der Partici-Platz war so ein richtiger Platz zum Spielen. Tip-Top ins Kaiser-, König-, Edelmann-Tauspringen. Oder wir trieben uns an der Brookwetter herum: Fische fangen, Wollhandkrabben aus dem Wasser ziehen, das machte Spaß. Doch alles hat auch mal ein Ende.

Partici wurde abgerissen und der Platz mit Häusern bebaut. Die Älteren und Hilde mussten ausziehen. Ide hat eine neue Gastwirtschaft in der Holsteinischen Schweiz bekommen. Nur wir blieben dort wohnen.

Unsere Aktivitäten haben sich dann auf den Frascatiplatz verlagert. Der war damals noch kein Parkplatz, sondern ein Fußball- oder Handballfeld mit einem Toilettenhäuschen hinten in der Ecke. Im Frühjahr und Herbst war dort immer Jahrmarkt. Als der Frühjahrsmarkt zu Ende und alles abgebaut war, lagen die hölzernen Lichtmasten noch einige Zeit herum, und wir glaubten
schon, dass sie vergessen worden wären. Menne und ich dachten schon lange, dass man ein Schiff haben müsste, und da kamen uns die Masten gerade recht. Die nötigen Nägel hatten wir schon lange bei der Neisler geklaut. Wir wussten ja, wo die Zimmerleute ihre Nägel hatten, und zwar in dem Haus, wo Hilde gewohnt hatte. Das Haus war abgeschlossen, aber mit einer Leiter kam man über den Balkon in den ersten Stock und von dort über die Leiter für den Schornsteinfeger über den Boden wieder in die Wohnung. Dort lagen die Nägel nur zum Zugreifen. (Ich habe noch welche im Keller.) Daneben war der Dachboden, unsere beste Geheimstube. 

Zigarettenrauchen, Marke Schwarz-Weiß; und hinterher Bonbon (Bonsche) kauen war sehr wichtig. Nur eines Tages kamen uns die Zimmerleute auf die Schliche, und wir mussten unser Archiv auflösen. Na gut, unsere Taschen waren voller Nägel, dass uns beinahe die Hosen heruntergefallen wären. In den Sommerferien ging es dann los. 

Zuerst mussten wir die Lichtmasten über den Graben und über den Fras (Frascatiplatz) zum Deich trudeln, dann mit Hauruck über den Deich und wieder in den Graben von Bruhns Wiesen bis hin zum Schleusengraben. Es hat wohl ziemlich eine Woche gedauert. Am Schleusengraben wurden die Masten zusammengenagelt, und wir mussten dann das Floß nur noch etwas
zurechtmachen. Dafür wurden noch schnell zwei alte Matratzen geholt und das Floß zu Wasser gelassen. Wir waren kaum an Bord, da rief ein Mann: "Wollt ihr das mal lassen oder ich hole die Polizei!" Da haben wir Angst bekommen und sind weggelaufen - Schwimmen konnten wir sowieso nicht, das habe ich später in Wiesmoor gelernt. Und nun kommt die Pointe:
Die Leute, die unser Machwerk wieder in den Urzustand zurückverwandeln mussten, waren die Männer von der Technischen Nothilfe. Zwei Stunden haben sie gebraucht, und der Witz war, dass Henrys Vater dabei war; der hat geschimpft: "Wenn ich die Kinder zufassen kriege!!"