Dieser Eintrag stammt von Johanna Stachow, † 2009

Die Inflation von 1923

Aus den Erinnerungen von Walter Stachow, geb. 1897

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass nach dem Kriege ein Ausverkauf an deutschen Waren durch das Ausland stattfand. Der Kurs der Mark sackte bis ins Grenzenlose im Laufe der folgenden Jahre ab. Der Gegenwert einer Goldmark erreichte 1923 seinen tiefsten Stand, und zwar mit 1 Billion Papiermark im Oktober. Schon Monate vorher fiel der Wert der Mark täglich um Tausende, Millionen und Milliarden. Diejenigen, die Sparguthaben auf den Banken hatten, waren mit einem Schlag bettelarm geworden. Im Herbst endlich wurde die Mark stabilisiert, es wurde die wertbeständige Renten-Mark geschaffen. Die Wirtschaft konnte wieder aufatmen. Die unhaltbaren Zustände wurden durch die Schaffung der Renten-Mark gemeistert. Eine Verbuchung aber der Milliarden und Billionenzahlen in den Geschäftsbüchern war wegen Raummangels nicht mehr möglich. Wechselstempelmarken konnten z.B. nicht in dem Umfang vom Staat in hohen Werten gedruckt werden. Man war, bis die Barzahlung der Wechselstempel eingeführt war, gezwungen, kleine Wechselstempelmarken zur Versteuerung der Wechsel auf das Ausland zu verwenden. So erinnere ich, dass ich einen Wechsel ausfertigen ließ, dessen Papier 12 Meter lang gemacht werden musste, um die vorgeschriebenen Wechselstempelmarken draufkleben zu können! - 
Ein weiteres Kuriosum war eine Geldsammlung für die Bergedorfer Rentner, deren Vorsitzender mein Vater war. Die Sammler brachten am Abend zwei bis an den Rand gefüllte Zentnersäcke mit Papiergeld ins Haus. Es war meinem Vater und den Helfern gänzlich unmöglich, die Geldscheine zu zählen. Ein kurzer Überblick genügte, um festzustellen, dass der Wert dieses Haufens von Geldscheinen bereits am anderen Tage nichts mehr wert war. Die beiden Säcke wurden dann später von einem Altpapierhändler für 20 Pfg. abgeholt.

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